Technische Unterlagen

Kapitel 1

Normen und Oberflächen

Allgemeintoleranzen für Längenmasse (ISO 2768-1)

Gilt für Masse ohne eigene Toleranzangabe. Auf der Zeichnung z. B. «ISO 2768-m». Werte in mm (±).

Toleranzklasse0,5 bis 3über 3 bis 6über 6 bis 30über 30 bis 120über 120 bis 400über 400 bis 1000über 1000 bis 2000über 2000 bis 4000
f (fein)0,050,050,10,150,20,30,5–
m (mittel)0,10,10,20,30,50,81,22
c (grob)0,20,30,50,81,2234
v (sehr grob)–0,511,52,5468

Rauheit: Rauheitsklassen und Mittenrauwert Ra

RauheitsklasseRa in µmTypische Bearbeitung
N1250Schruppen, Brennschneiden
N1125Sägen, grobes Schruppen
N1012,5Schruppdrehen, Bohren
N96,3Drehen, Fräsen, Bohren
N83,2Schlichtdrehen, Schlichtfräsen
N71,6Feindrehen, Reiben, Schleifen
N60,8Feinschlichten, Schleifen
N50,4Feinschleifen
N40,2Honen, Läppen
N30,1Läppen, Polieren
N20,05Superfinish
N10,025Superfinish, Polieren

Faustregel: Rz ist etwa 4- bis 7-mal grösser als Ra.

Werkstückkanten (ISO 13715)

AngabeBedeutung
+0,3Grat oder Übergang nach aussen bis 0,3 mm zulässig
−0,3Abtrag bis 0,3 mm verlangt (Fase oder Rundung), gratfrei
±0,05Scharfkantig: Abweichung höchstens 0,05 mm nach aussen oder innen

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 2

Werkstoffe

Häufige Werkstoffe im Maschinenbau. Festigkeitswerte sind Richtwerte und hängen von Abmessung und Zustand ab.

KurznameWerkstoff-Nr.Alte BezeichnungGruppeZugfestigkeit Rm N/mm²Typische Anwendung
S235JR1.0038St 37-2Baustahl360–510Schweisskonstruktionen, Gestelle, Bleche
S355J21.0577St 52-3Baustahl470–630Hoch belastete Schweissteile, Maschinenrahmen
C451.0503C45Vergütungsstahlca. 650 (normalgeglüht)Wellen, Bolzen, Zahnräder
42CrMo41.722542CrMo4Vergütungsstahl900–1100 (vergütet)Hoch belastete Wellen, Spindeln, Schrauben
16MnCr51.713116MnCr5Einsatzstahl–Zahnräder, Nocken, Bolzen (einsatzgehärtet)
11SMnPb301.07189SMnPb28Automatenstahlca. 400–600Drehteile in Serie
100Cr61.3505100Cr6Wälzlagerstahl–Lagerringe, Führungen, Messzeug
X153CrMoV121.2379–Kaltarbeitsstahl–Schneid- und Stanzwerkzeuge
90MnCrV81.2842–Kaltarbeitsstahl–Werkzeuge, Lehren, Messer
X5CrNi18-101.4301V2ARostfreier Stahl500–700Allgemein rostfrei, Lebensmittelbereich
X2CrNiMo17-12-21.4404V4ARostfreier Stahl500–700Chemie, Meerwasser, säurebeständig
X8CrNiS18-91.4305V2A AutomatRostfreier Stahl500–750Rostfreie Drehteile
EN-GJL-2500.6025GG 25Grauguss250Maschinenbetten, Gehäuse
EN-GJS-400-150.7040GGG 40Sphäroguss400Gehäuse, Hebel, belastete Gussteile
EN AW-60823.2315AlMgSi1Aluminiumca. 310 (T6)Profile, Platten, allgemeiner Maschinenbau
EN AW-50833.3547AlMg4,5MnAluminiumca. 275Platten, Vorrichtungen, gut schweissbar
EN AW-20073.1645AlCuMgPbAluminiumca. 370Automaten-Drehteile
CuZn39Pb3CW614NMs 58Messingca. 360–500Drehteile, Armaturen

Härtevergleich (Richtwerte für Stahl)

HRCHVHBZugfestigkeit Rm ca. N/mm²
20238226770
25266253860
30302286970
353453271110
403923721260
454464211430
50513–1640
55595––
60697––
65832––

Umrechnungen zwischen Härteskalen sind immer nur Näherungen.

Dichte

WerkstoffDichte kg/dm³
Stahl7,85
Rostfreier Stahl7,9
Grauguss7,2
Aluminium2,7
Titan4,5
Kupfer8,96
Messing8,5
Bronze8,8

Masse = Volumen × Dichte. Beispiel: Stahlrundstab Ø 50 × 1000 mm = 1,963 dm³ × 7,85 = 15,4 kg.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 3

Härtemessung

Mit einer Härtemessung kann man herausfinden, um welchen Werkstoff es sich handelt (z. B. S235 oder S355, welches Aluminium) oder ob ein Teil gehärtet ist. Das ist bei Reparaturen und Umbauten oft sehr wertvoll.

Merksatz: Je kleiner der Eindruck, desto härter der Werkstoff.
Faustregel für Stahl: Zugfestigkeit Rm ≈ 3,45 × Brinellhärte (z. B. 140 HB → ca. 480 N/mm²).

Die Messverfahren kurz erklärt

VerfahrenPrüfkörperWas wird gemessenGut für
Brinell (HBW)Hartmetallkugel (meist Ø 10, 5, 2,5 oder 1 mm)Durchmesser des EindrucksWeiche bis mittelharte Werkstoffe: Baustahl, Guss, Aluminium, Messing. Auch mit einer Presse in der Werkstatt möglich
Vickers (HV)Diamant-Pyramide 136°Diagonalen des EindrucksAlle Werkstoffe, auch sehr hart und dünne Schichten; im Labor
Rockwell (HRC / HRB)HRC: Diamantkegel 120°, 150 kp. HRB: Kugel 1/16 Zoll, 100 kpEindringtiefe, direkt am Gerät ablesbarHRC: gehärteter Stahl (20 bis 70 HRC). HRB: weicher Stahl und Buntmetall
Leeb (HL, «LB»)Schlagkörper mit Hartmetallkugel, wird auf das Teil geschossenRückprallgeschwindigkeitTragbares Gerät, schnell, auch an grossen Teilen und an der Maschine; rechnet in HB, HV, HRC um

Umrechnungen zwischen den Verfahren sind nur Näherungen (siehe Kapitel Werkstoffe, Härtevergleich).

Brinell mit der Presse: Rechner

Kugel auf das Teil legen, mit der Presse die gewählte Last aufbringen und ca. 10 bis 15 Sekunden halten. Dann den Eindruck-Durchmesser mit der Messlupe zweimal um 90° versetzt messen und den Mittelwert eingeben.

Formel (Norm ISO 6506): HBW = 0,102 × 2 F / (π × D × (D − √(D² − d²))) mit F in N, D und d in mm. 1 t = 1000 kp = 9807 N.

WIAP-Praxis (Werkstatt-Methode mit der Presse):
• Als Prüfkugel kann eine gehärtete Kugellagerkugel dienen, z. B. Ø 11,1 mm (7/16 Zoll) oder Ø 5,6 mm.
• Last mit der Presse aufbringen, z. B. 1000 kp.
• Eindruck an 2 Stellen um 90° versetzt messen (d1 und d2): So erkennt man auch, ob der Eindruck oval ist.
• Beispiel Flachstahl S355: Kugel 11,1 mm, 1000 kp, d1 = d2 = 3,2 mm → 122 HB.
Für Vergleiche immer die gleiche Kugel und die gleiche Last verwenden. Werte mit Werkstatt-Kugel und kleiner Last können vom genormten Wert (Hartmetallkugel 10 mm, 3000 kp) etwas abweichen. Stahlkugeln nur bis ca. 450 HB verwenden, bei härteren Teilen verformt sich die Kugel.

Tabelle für Kugel Ø 10 mm

Eindruck d mm1 t (1000 kp) HBW2 t (2000 kp) HBW3 t (3000 kp) HBW
2,4218436654
2,6185370555
2,8159318478
3,0138277415
3,2121242363
3,4107214321
3,695190285
3,885170255
4,076153229
4,269138207
4,462125187
4,657114170
4,852104156
5,04895143
5,24487131
5,44080121
5,63774111
5,83469103
6,0326496

Nach Norm: 3 t (3000 kp) für Stahl und Guss, 1 t (1000 kp) für Aluminium-Legierungen und Kupfer. Gültig ist die Messung, wenn d zwischen 2,4 und 6,0 mm liegt.

Welcher Werkstoff hat welche Härte? (Richtwerte)

WerkstoffBrinellhärte HB ca.
Reinaluminium (weich)20 bis 30
Aluminium EN AW-5083ca. 75
Aluminium EN AW-6082 T6 (AlMgSi1)ca. 90 bis 100
Aluminium EN AW-2007 (Automaten)ca. 100 bis 115
Aluminium EN AW-7075 T6ca. 140 bis 150
Messing CuZn39Pb3 (Ms 58)ca. 90 bis 140
Baustahl S235JRca. 105 bis 145
Baustahl S355J2ca. 140 bis 180
C45 normalgeglühtca. 180 bis 210
42CrMo4 vergütetca. 270 bis 330
Grauguss EN-GJL-250 (GG 25)ca. 180 bis 250
Sphäroguss EN-GJS-400 (GGG 40)ca. 130 bis 180
Rostfrei 1.4301 (V2A)ca. 150 bis 200

Tipps für eine gute Messung

RegelWarum
Fläche blank schleifen und ebenZunder, Farbe und Rost verfälschen das Ergebnis
Teil dick genug (mindestens ca. 8-mal die Eindrucktiefe)Sonst drückt die Kugel durch und misst die Unterlage mit
Abstand zum Rand mind. 2,5 × d, zwischen zwei Eindrücken mind. 3 × dSonst verformt sich das Material seitlich
Last ruhig aufbringen und haltenSchläge oder zu kurze Haltezeit ergeben falsche Werte
Manometer der Presse prüfenDie Last muss stimmen: 10 % zu viel Last gibt deutlich andere Werte
Mehrere Messungen machenMittelwert nehmen, Ausreisser weglassen

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 4

Passungen und ISO-Toleranzen

Werte nach ISO 286, in Mikrometer (µm). 1 µm = 0,001 mm.

Passungsrechner

Die häufigsten Passungen

PassungArtAnwendung (Beispiele)
H7/p6PresspassungTeile werden aufgepresst oder warm aufgezogen: Buchsen, Zahnkränze, Lagerbuchsen
H7/n6Übergangspassung, festNur mit Presse fügbar: Kupplungen, Zahnräder auf Wellen
H7/m6ÜbergangspassungMit Hammer fügbar: Riemenscheiben, Zahnräder, Passstifte
H7/k6Übergangspassung, leichtMit leichten Schlägen fügbar: Kupplungen, Wälzlager-Innenringe
H7/h6GleitpassungVon Hand verschiebbar, geschmiert: Zentrierungen, Wechselräder, Stellringe
H7/g6Enge SpielpassungGleitet ohne merkliches Spiel: verschiebbare Räder, Präzisions-Gleitlager
H7/f7LaufpassungMerkliches Spiel: Gleitlager, Kolben, Schieber
H8/e8Weite LaufpassungGrösseres Spiel: Lager mit grossem Abstand, mehrfach gelagerte Wellen
H11/h11Grobe SpielpassungFür einfache Teile: Bolzen, Hebel, Distanzbuchsen

Grenzabmasse für Bohrungen und Wellen (µm)

Oben: oberes Abmass (blau), unten: unteres Abmass (rot). Beispiel: Welle Ø 40 g6 = −9 / −25 µm, also 39,991 bis 39,975 mm.

Nennmass mmH7H8H11e8f7g6h6h9h11js6k6m6n6p6
bis 3+100+140+600−14−28−6−16−2−80−60−250−60+3−3+60+8+2+10+4+12+6
über 3 bis 6+120+180+750−20−38−10−22−4−120−80−300−75+4−4+9+1+12+4+16+8+20+12
über 6 bis 10+150+220+900−25−47−13−28−5−140−90−360−90+4.5−4.5+10+1+15+6+19+10+24+15
über 10 bis 18+180+270+1100−32−59−16−34−6−170−110−430−110+5.5−5.5+12+1+18+7+23+12+29+18
über 18 bis 30+210+330+1300−40−73−20−41−7−200−130−520−130+6.5−6.5+15+2+21+8+28+15+35+22
über 30 bis 50+250+390+1600−50−89−25−50−9−250−160−620−160+8−8+18+2+25+9+33+17+42+26
über 50 bis 80+300+460+1900−60−106−30−60−10−290−190−740−190+9.5−9.5+21+2+30+11+39+20+51+32
über 80 bis 120+350+540+2200−72−126−36−71−12−340−220−870−220+11−11+25+3+35+13+45+23+59+37
über 120 bis 180+400+630+2500−85−148−43−83−14−390−250−1000−250+12.5−12.5+28+3+40+15+52+27+68+43
über 180 bis 250+460+720+2900−100−172−50−96−15−440−290−1150−290+14.5−14.5+33+4+46+17+60+31+79+50
über 250 bis 315+520+810+3200−110−191−56−108−17−490−320−1300−320+16−16+36+4+52+20+66+34+88+56
über 315 bis 400+570+890+3600−125−214−62−119−18−540−360−1400−360+18−18+40+4+57+21+73+37+98+62
über 400 bis 500+630+970+4000−135−232−68−131−20−600−400−1550−400+20−20+45+5+63+23+80+40+108+68

Grundtoleranzen IT5 bis IT11 (µm)

Nennmass mmIT5IT6IT7IT8IT9IT10IT11
bis 3461014254060
über 3 bis 6581218304875
über 6 bis 10691522365890
über 10 bis 1881118274370110
über 18 bis 3091321335284130
über 30 bis 501116253962100160
über 50 bis 801319304674120190
über 80 bis 1201522355487140220
über 120 bis 18018254063100160250
über 180 bis 25020294672115185290
über 250 bis 31523325281130210320
über 315 bis 40025365789140230360
über 400 bis 50027406397155250400

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 5

Gewinde und Schrauben

Metrisches Regelgewinde

GewindeSteigung mmKernloch-Bohrer mmDurchgangsloch (mittel) mmSchlüsselweite Sechskant mmInnensechskant (Zylinderschraube) mm
M30,52,53,45,52,5
M40,73,34,573
M50,84,25,584
M6156,6105
M81,256,89136
M101,58,511168
M121,7510,213,51810
M1421215,52112
M1621417,52414
M202,517,5223017
M24321263619
M303,526,5334622
M36432395527

Kernloch-Bohrer = Nenndurchmesser minus Steigung. Schlüsselweiten nach ISO; bei älteren DIN-Schrauben: M10 = SW 17, M12 = SW 19, M14 = SW 22.

Metrisches Feingewinde

FeingewindeSteigung mmKernloch-Bohrer mm
M8 × 117
M10 × 119
M10 × 1,251,258,75
M12 × 1,51,510,5
M14 × 1,51,512,5
M16 × 1,51,514,5
M20 × 1,51,518,5
M24 × 2222
M30 × 2228

Rohrgewinde (ISO 228, zylindrisch)

GewindeGänge pro ZollAussendurchmesser mmKernloch-Bohrer mm
G 1/8289,7288,8
G 1/41913,15711,8
G 3/81916,66215,25
G 1/21420,95519
G 3/41426,44124,5
G 11133,24930,75
G 1 1/41141,9139,5
G 1 1/21147,80345,25
G 21159,61457

Trapezgewinde (ISO 2904)

GewindeSteigung mmKernloch Mutter mm (d − P)
Tr 10 × 228
Tr 12 × 339
Tr 14 × 3311
Tr 16 × 4412
Tr 20 × 4416
Tr 24 × 5519
Tr 28 × 5523
Tr 32 × 6626
Tr 36 × 6630
Tr 40 × 7733

Zollgewinde (für ältere und amerikanische / englische Maschinen)

Merksatz: 1 Zoll = 25,4 mm. Zollgewinde werden in Gängen pro Zoll angegeben: Steigung = 25,4 / Gänge.
Achtung: UNC und UNF haben 60° Flankenwinkel (wie metrisch), Whitworth (BSW) hat 55°. Nie mischen, auch wenn die Gangzahl gleich ist!

UNC – Unified Grobgewinde (USA, 60°)

GrösseAussen-Ø mmGänge pro ZollSteigung mmKernloch-Bohrer mm
1/4"6,35201,2705,1
5/16"7,94181,4116,6
3/8"9,52161,5878
7/16"11,11141,8149,4
1/2"12,70131,95410,8
9/16"14,29122,11712,2
5/8"15,88112,30913,5
3/4"19,05102,54016,5
7/8"22,2292,82219,5
1"25,4083,17522,25
1 1/8"28,5773,62925
1 1/4"31,7573,62928
1 1/2"38,1064,23334

UNF – Unified Feingewinde (USA, 60°)

GrösseAussen-Ø mmGänge pro ZollSteigung mmKernloch-Bohrer mm
1/4"6,35280,9075,5
5/16"7,94241,0586,9
3/8"9,52241,0588,5
7/16"11,11201,2709,9
1/2"12,70201,27011,5
9/16"14,29181,41112,9
5/8"15,88181,41114,5
3/4"19,05161,58717,5
7/8"22,22141,81420,4
1"25,40122,11723,25

BSW – Whitworth-Gewinde (England, 55°)

GrösseAussen-Ø mmGänge pro ZollSteigung mmKernloch-Bohrer mm
1/4"6,35201,2705,1
5/16"7,94181,4116,5
3/8"9,52161,5877,9
7/16"11,11141,8149,3
1/2"12,70122,11710,5
5/8"15,88112,30913,5
3/4"19,05102,54016,25
7/8"22,2292,82219,25
1"25,4083,17522

Rohrgewinde G (zylindrisch) siehe oben. Bei Rohrgewinde R (kegelig) ist die Gangzahl gleich wie bei G. Kernloch-Bohrer sind übliche Werkstattwerte.

Anziehdrehmomente und Vorspannkraft (Richtwerte)

Wichtig: Geschmierte Schrauben brauchen weniger Drehmoment für die gleiche Klemmkraft. Wer eine geschmierte Schraube mit dem Wert für «ungeschmiert» anzieht, überdehnt sie oder reisst sie ab!
Vorspannkraft = die Kraft, mit der die angezogene Schraube die Teile zusammendrückt (Klemmkraft).

Geschmiert (Öl, Fett, MoS₂-Paste) · Reibungszahl µ ≈ 0,10

Gewinde8.810.912.9
Anziehmoment NmVorspannkraft kNAnziehmoment NmVorspannkraft kNAnziehmoment NmVorspannkraft kN
M42,74,5≈ 460 kg46,7≈ 680 kg4,77,8≈ 800 kg
M55,47,4≈ 750 kg7,911≈ 1’100 kg9,213≈ 1’300 kg
M69,210≈ 1’100 kg1415≈ 1’600 kg1618≈ 1’800 kg
M82219≈ 1’900 kg3328≈ 2’900 kg3833≈ 3’300 kg
M104430≈ 3’100 kg6445≈ 4’500 kg7552≈ 5’300 kg
M127544≈ 4’500 kg11065≈ 6’600 kg13076≈ 7’700 kg
M1412061≈ 6’200 kg17589≈ 9’100 kg205104≈ 10’600 kg
M1618583≈ 8’500 kg270122≈ 12’400 kg315143≈ 14’500 kg
M20370134≈ 13’600 kg525190≈ 19’400 kg615223≈ 22’700 kg
M24635192≈ 19’600 kg905274≈ 27’900 kg1’060321≈ 32’700 kg
M27935252≈ 25’700 kg1’330359≈ 36’600 kg1’560420≈ 42’900 kg
M301’270307≈ 31’300 kg1’810437≈ 44’600 kg2’120512≈ 52’200 kg
M331’710381≈ 38’900 kg2’440543≈ 55’400 kg2’860636≈ 64’800 kg
M362’210448≈ 45’700 kg3’150639≈ 65’100 kg3’680747≈ 76’200 kg

Ungeschmiert (trocken, blank oder brüniert) · Reibungszahl µ ≈ 0,14

Gewinde8.810.912.9
Anziehmoment NmVorspannkraft kNAnziehmoment NmVorspannkraft kNAnziehmoment NmVorspannkraft kN
M43,54,3≈ 440 kg5,16,3≈ 640 kg5,97,4≈ 750 kg
M56,87≈ 710 kg9,910≈ 1’000 kg1212≈ 1’200 kg
M6129,9≈ 1’000 kg1715≈ 1’500 kg2017≈ 1’700 kg
M82818≈ 1’800 kg4127≈ 2’700 kg4831≈ 3’200 kg
M105529≈ 2’900 kg8142≈ 4’300 kg9550≈ 5’100 kg
M129542≈ 4’300 kg14062≈ 6’300 kg16572≈ 7’400 kg
M1415058≈ 5’900 kg22085≈ 8’600 kg26099≈ 10’100 kg
M1623579≈ 8’000 kg345116≈ 11’800 kg400136≈ 13’800 kg
M20470127≈ 13’000 kg670181≈ 18’500 kg785212≈ 21’600 kg
M24815183≈ 18’700 kg1’160261≈ 26’600 kg1’360305≈ 31’100 kg
M271’200240≈ 24’500 kg1’710342≈ 34’900 kg2’000401≈ 40’800 kg
M301’630292≈ 29’800 kg2’320417≈ 42’500 kg2’720487≈ 49’700 kg
M332’210364≈ 37’100 kg3’140518≈ 52’800 kg3’680606≈ 61’800 kg
M362’840427≈ 43’600 kg4’040609≈ 62’100 kg4’730712≈ 72’600 kg

Gerechnet nach VDI 2230 für Schaftschrauben mit Sechskantkopf und Regelgewinde, 90 % Ausnutzung der Streckgrenze. Die Vorspannkraft ist bei Schmierung höher, weil weniger Kraft in der Reibung verloren geht. Neue Schrauben im Lieferzustand (leicht geölt) liegen meist dazwischen (µ ≈ 0,12). Bei verzinkten oder beschichteten Schrauben, Senkschrauben und sicherheitsrelevanten Verbindungen gelten die Angaben des Herstellers.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 6

Schraubensicherung, Dichten und Kleben

Merksatz: Teile immer zuerst fettfrei reinigen (z. B. Schnellreiniger). Wenig Produkt genügt. Handfest nach ca. 10 bis 20 Minuten, voll belastbar nach ca. 24 Stunden.
Die Produktnummern sind Beispiele von Loctite. Gleichwertige Produkte anderer Hersteller sind ebenso geeignet.

Schraubensicherung

FestigkeitFarbeBeispielBis GewindeLösenTypische Anwendung
NiedrigViolett222M36leicht, mit normalem WerkzeugStellschrauben, kleine Schrauben, Teile die oft eingestellt werden
MittelBlau243 (flüssig), 248 (Stift)M36mit normalem WerkzeugStandard im Maschinenbau: Getriebe, Motoren, Pumpen, Werkzeugmaschinen
HochGrün / Rot2701 / 270 (flüssig), 268 (Stift)M20 bis M50nur mit Wärme (ca. 250 °C)Stehbolzen, stark vibrierende Verbindungen, die nicht mehr gelöst werden

Gewinde dichten (Hydraulik, Pneumatik, Wasser)

AnwendungBeispielHinweis
Grobe Metall- und Rohrgewinde577Mittelfest, demontierbar, ersetzt Hanf und Teflonband
Feingewinde an Hydraulik und Pneumatik542Für Verschraubungen und Anschlüsse aus Metall
Metall- und Kunststoffgewinde, Sanitär55 (Dichtfaden)Sofort dicht, nachjustierbar
Rohrgewinde, Stiftform561Sauber, ohne Tropfen

Kein Teflonband in Hydraulik und Pneumatik: Abgerissene Fasern verstopfen Ventile und Düsen.

Flächen dichten (Flansche, Deckel)

FlanschartBeispielSpalt bisHinweis
Steif (Stahl, Guss, Alu)5180,25 mmGetriebe- und Pumpengehäuse
Steif, hohe Temperatur5100,25 mmBis ca. 200 °C
Flexibel (Deckel, Blech)5910 / 5699grösserSilikon, dauerelastisch, ersetzt Papier- und Korkdichtungen

Fügen: Lager, Wellen, Buchsen

AnwendungBeispielSpalt bisHinweis
Lager befestigen (Lagersitz)6030,1 mmÖltolerant, von Lagerherstellern empfohlen
Universal, hohe Festigkeit6380,25 mmWellen, Buchsen, Zahnräder, Passfedern
Hohe Temperatur6480,15 mmBis ca. 175 °C
Reparatur ausgeschlagener Sitze660 mit Aktivator 72400,5 mmLagersitze, Buchsen, Passfedernuten

Gefügte Teile lassen sich meist nur mit Wärme (ca. 250 °C) und Abzieher wieder lösen.

Montagepaste, Rostlöser und Reiniger

ProduktBeispielAnwendung
Anti-Seize auf Aluminium-Basis8150Schrauben und Muttern gegen Festfressen
Anti-Seize auf Kupfer-Basis8008 (C5-A)Hohe Temperaturen, Abgasanlagen
Anti-Seize metallfrei8009Rostfreier Stahl und Titan (kein Kupfer!)
Rostlöser8018 / 8201Festgefressene Schrauben und Muttern lösen
Schnellreiniger7063Reinigen vor dem Kleben und Dichten

Bei Montagepaste auf dem Gewinde ist die Reibung kleiner: Anziehmoment reduzieren (siehe Tabelle «geschmiert» im Kapitel Gewinde).

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 7

Bearbeitung, Senkungen, Kanten

Senkungen für Schrauben

GewindeDurchgangsloch mmZylindersenkung Ø mm (Zylinderschraube ISO 4762)Senktiefe mmKegelsenkung 90° Ø mm (Senkschraube ISO 10642)
M33,46,53,46,5
M44,584,49
M55,5105,411,5
M66,6116,413,5
M89158,618
M10111810,622,5
M1213,52012,627
M1617,52616,634
M20223320,640,5
M24264024,8–

Senktiefe so, dass der Schraubenkopf leicht versenkt ist. Bei Unterlegscheiben Senkung entsprechend grösser.

Kanten und Fasen: Empfehlungen

BauteilEmpfehlung
Allgemeine AussenkantenFase 0,3 bis 0,5 × 45° oder gemäss Zeichnung (ISO 13715)
Gewinde-AnfangFase bis zum Kerndurchmesser, 45° (Bolzen) bzw. 90°- bis 120°-Senkung (Mutter)
WellenabsatzÜbergangsradius oder Freistich (DIN 509), keine scharfe Innenkante
LagersitzeKantenabstand kleiner als Lager-Kantenabstand, damit das Lager satt anliegt
PassbohrungenEinführfase 15° bis 30° erleichtert die Montage

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 8

Schaben und Tuschieren

Schaben ist ein Kernkönnen im Werkzeugmaschinenbau und bei Retrofits. Geschabte Führungen tragen gleichmässig, halten Öl in den kleinen Vertiefungen und laufen dadurch ruhig und genau.

Merksatz: Auf 1 Quadratzoll (25,4 × 25,4 mm) sollen 10 tragende Punkte sein, bei Schleifmaschinen bis 25 Punkte.
Pro Durchgang nur ca. 60 % der blauen Punkte wegschaben und immer über das Kreuz unter 45° schaben.

Vorgehen Schritt für Schritt

SchrittWas tun
1. VorbereitenTeil und Tuschierplatte bzw. Lineal entgraten und sauber reinigen
2. TuschierenTuschierfarbe sehr dünn auf die Tuschierplatte oder das Lineal auftragen. Werkstück darauf hin und her reiben
3. Tragbild lesenDie blauen Stellen sind die hohen, tragenden Punkte
4. SchabenCa. 60 % der blauen Punkte wegschaben. Schabrichtung 45° zur Kante, bei jedem Durchgang die Richtung um 90° wechseln (über das Kreuz)
5. WiederholenTuschieren und Schaben wiederholen, bis die Punktezahl pro Zoll erreicht und gleichmässig verteilt ist
6. PrüfenPunkte in einem Quadrat von 25,4 × 25,4 mm zählen, an mehreren Stellen

Schabmaschine einstellen

ArbeitsgangMesserwinkelHub
Schruppen25°ca. 7 mm
Schlichten / Fertigschaben40°ca. 2 bis 2,5 mm

Hublänge einstellbar 0 bis 20 mm (mit 6-mm-Innensechskantschlüssel), Hubzahl bis ca. 1600 Hübe pro Minute.

Schabmesser schleifen

WerkzeugVorgehen
Hartmetall-SchabmesserAuf der Diamantscheibe mit 5° Freiwinkel schleifen. Mit Petrol kühlen. Nur ganz leichter Anpressdruck (maximal ca. 20 Gramm)
Feile als Schaber (selber machen)Normale Flachfeile an der Schleifscheibe mit 5° Freiwinkel anschleifen, zwei Seiten und vorne flach. Immer gut mit Wasser kühlen: Wird die Feile blau, verliert sie ihre Härte

Abziehstein reinigen

Schmutzigen Abziehstein mit feinem Quarzsand (ca. 0,1 mm) bestreuen, etwa 0,05 Liter Petrol daraufgeben und mit grossen Kreisbewegungen abziehen. Danach den Stein gut waschen.

Zubehör in der Schaberei

ZubehörVerwendung
Tuschierplatten (z. B. 1800 × 1200 mm, 800 × 600 mm)Ebene Flächen tuschieren
Tuschierlineale, auch für SchwalbenschwanzFührungsbahnen und Schwalbenschwanzführungen
Grosses Lineal ca. 400 mm breitLange Maschinenbetten (bis ca. 20 m) abschnittweise tuschieren
Geschliffene Wellen und KonenBohrungen und Kegel tuschieren
Geschabter PräzisionswinkelRechtwinkligkeit prüfen
TuschierfarbeDose immer sauber und geschlossen halten; Auftragrolle in einem sauberen Plastiksack aufbewahren

Ein Staubkorn auf der Tuschierplatte verfälscht das ganze Tragbild: Sauberkeit ist beim Schaben das Wichtigste.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 9

Verstiften: Kegel-, Zylinder- und Spannstifte

Stifte bestimmen die genaue Lage von zwei Teilen zueinander. Die Schrauben halten die Teile nur zusammen. Nach einer Demontage findet ein gut verstiftetes Teil wieder genau an seinen Platz.

Merksatz: Schrauben klemmen, Stifte positionieren.
Mit konischen Stiften (Kegelstiften) ist eine Wiedermontage auf ca. 0,02 mm genau möglich. Darum verwenden wir sie im Werkzeugmaschinenbau.

Welcher Stift wofür?

StiftartNorm (Beispiel)BohrungEigenschaftenTypische Anwendung
KegelstiftISO 2339 (DIN 1)gebohrt und kegelig gerieben 1:50 (konische Reibahle)Sehr genau, beliebig oft demontierbar, sitzt immer wieder spielfreiMaschinenbau: Schlitten, Führungsleisten, Lagerböcke, Getriebe
Kegelstift mit InnengewindeISO 8736 (DIN 7978)wie KegelstiftKann mit dem Stiftzieher herausgezogen werdenSacklöcher, wenn man nicht von hinten austreiben kann
Kegelstift mit GewindezapfenISO 8737 (DIN 7977)wie KegelstiftWird mit einer Mutter herausgezogenDurchgangslöcher, schlecht zugängliche Stellen
ZylinderstiftISO 2338 (DIN 7), gehärtet ISO 8734 (DIN 6325)gerieben H7Genau, Presssitz; wird beim häufigen Demontieren loseVorrichtungen, Werkzeuge, Positionierungen
Zylinderstift mit InnengewindeISO 8735 (DIN 7979)gerieben H7Ausziehbar, für SacklöcherVorrichtungen, Sacklöcher
Spannstift (geschlitzt)ISO 8752 schwer, ISO 13337 leicht (DIN 1481)nur gebohrt (H12)Federt, günstig, schnell montiert; nicht für genaue LageHebel, Griffe, Achsen, einfache Sicherungen
Spiral-SpannstiftISO 8750nur gebohrtSehr elastisch, gut gegen VibrationTeile mit Schlägen und Schwingungen
KerbstiftISO 8739 bis 8745nur gebohrtHält durch eingepresste KerbenEinfache Befestigungen, Achsen

Kegelstift: der Kegel 1:50

Ein Kegelstift wird auf 50 mm Länge um 1 mm dicker. Die Grösse eines Kegelstiftes ist immer der kleine Durchmesser d. Der grosse Durchmesser ist D = d + Länge / 50.

Beispiel: Kegelstift 8 × 60: kleiner Ø 8 mm, grosser Ø = 8 + 60 / 50 = 9,2 mm.

Die richtigen Reibahlen: immer zwei!

Für Kegelstifte braucht es immer zwei kegelige Reibahlen 1:50 (früher «konische Reibahlen» genannt):
1. die Maschinenreibahle zum Vorreiben (in der Bohrmaschine, langsam, mit Schneidöl)
2. die Handreibahle zum Fertigreiben (mit dem Windeisen, von Hand, mit Gefühl)
Mit der Handreibahle allein dauert es zu lange, mit der Maschinenreibahle allein wird die Bohrung nicht genau genug.
⟳ Reibahle nie rückwärts drehen – immer im Uhrzeigersinn, auch beim Herausziehen. Rückwärts drehen bricht die Schneiden aus und verdirbt die Bohrung.
WerkzeugNorm (Beispiel)Wofür
Bohrer im Stift-Nenndurchmesser–Vorbohren durch beide Teile (kleiner Ø des Stiftes)
Maschinen-Kegelreibahle 1:50 (konische Reibahle)DIN 2179 (Zylinderschaft), DIN 2180 (Morsekegelschaft)Vorreiben in der Bohrmaschine. Als Schälreibahle mit Spiralnuten nimmt sie viel Material weg
Hand-Kegelreibahle 1:50 (konische Reibahle)DIN 9Fertigreiben von Hand mit dem Windeisen. Immer wieder den Stift probieren
Windeisen–Zum gleichmässigen Drehen der Handreibahle, nie verkanten

Reibahlen nie rückwärts drehen: Die Schneiden brechen aus. Reibahlen in einer Schutzhülse aufbewahren. Die Grösse der Reibahle entspricht dem Stift-Nenndurchmesser (z. B. Reibahle 8 für Kegelstift 8).

Konisch verstiften: so machen wir es bei WIAP

SchrittWas tun
1. Teile ausrichtenBauteil genau ausrichten und die Schrauben fest anziehen. Erst dann verstiften
2. VorbohrenMit dem Bohrer im Nenndurchmesser des Stiftes (kleiner Ø) durch beide Teile bohren, z. B. 8 mm für einen Kegelstift 8. Bei langen Stiften stufenweise vorbohren
3. VorreibenMit der konischen Maschinenreibahle vorreiben
4. Fertig reibenMit der konischen Handreibahle sauber nachreiben und den Stift immer wieder probieren. Eine Reibahle nie rückwärts drehen!
5. ReinigenBohrung gut mit Luft ausblasen, Späne und Öl entfernen
6. Stift setzenStift mit leichten Hammerschlägen eintreiben. Er soll ca. 3 mm versenkt sitzen
7. DurchgangslochDer Stift darf auf der anderen Seite nicht vorstehen, er soll mindestens 1 bis 2 mm im Loch bleiben

Tipps aus der Praxis

ThemaHinweis
Zwei Stifte pro TeilMöglichst weit auseinander setzen, am besten diagonal. Ein Stift allein verhindert das Verdrehen nicht
Kein Platz von oben?Nicht überall kann man einen Stift gut bohren. Man kann den Stift auch seitlich in die Trennfuge der Auflageflächen setzen
Stift ausziehenMit dem Stiftzieher (WIAP-KFKOK-Set für Innengewinde M4 bis M20) vorsichtig herausziehen und das Gewinde im Stift nicht beschädigen
Ohne StiftzieherLange Schraube mit Mutter und Unterlagscheiben als Abzieher verwenden: Schraube in den Stift, Mutter über einer Hülse anziehen
Zylinderstift im SacklochLuft kann nicht entweichen und drückt den Stift zurück: Stift mit Entlüftungsrille oder mit Innengewinde verwenden
SpannstiftBohrung im Nenndurchmesser bohren (nicht reiben). Den Schlitz nicht in die Kraftrichtung legen. Für mehr Festigkeit zwei Spannstifte ineinander stecken, Schlitze um 180° versetzt

Bohren und Reiben für Zylinderstifte

Stift-Ø mmVorbohren mmReiben
21,8H7
32,8H7
43,8H7
54,8H7
65,8H7
87,7H7
109,7H7
1211,7H7
1615,6H7
2019,6H7

Reibzugabe je nach Werkstoff ca. 0,2 bis 0,4 mm. Zylinderstifte haben die Toleranz m6 und werden in die geriebene Bohrung H7 eingepresst.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 10

Passfedern, Riemen, Ketten

Passfedern (DIN 6885 Form A)

Wellendurchmesser mmPassfeder b × h mmNuttiefe Welle t1 mmNuttiefe Nabe t2 mm
6 bis 82 × 21,21
über 8 bis 103 × 31,81,4
über 10 bis 124 × 42,51,8
über 12 bis 175 × 532,3
über 17 bis 226 × 63,52,8
über 22 bis 308 × 743,3
über 30 bis 3810 × 853,3
über 38 bis 4412 × 853,3
über 44 bis 5014 × 95,53,8
über 50 bis 5816 × 1064,3
über 58 bis 6518 × 1174,4
über 65 bis 7520 × 127,54,9
über 75 bis 8522 × 1495,4
über 85 bis 9525 × 1495,4
über 95 bis 11028 × 16106,4

Nutbreite Welle meist P9 (fester Sitz) oder N9, Nabe JS9 oder P9.

Keilriemen

ProfilObere Breite × Höhe mmArt
SPZ9,7 × 8Schmalkeilriemen
SPA12,7 × 10Schmalkeilriemen
SPB16,3 × 13Schmalkeilriemen
SPC22 × 18Schmalkeilriemen
Z (10)10 × 6Normalkeilriemen
A (13)13 × 8Normalkeilriemen
B (17)17 × 11Normalkeilriemen
C (22)22 × 14Normalkeilriemen

Rollenketten (Europäische Bauart, DIN 8187 / ISO 606 B)

KetteTeilung mmTeilung ZollInnere Breite mmRollen-Ø mm
06B9,5253/85,726,35
08B12,71/27,758,51
10B15,8755/89,6510,16
12B19,053/411,6812,07
16B25,4117,0215,88
20B31,751 1/419,5619,05

Riemen- und Kettenspannung nach Angabe des Herstellers einstellen. Kettenrad und Riemenscheibe immer fluchtend montieren.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 11

Zahnräder und Modul

Der Modul ist bei Zahnrädern die wichtigste Zahl. Wer ihn verstanden hat, kann jedes Zahnrad ausmessen, nachbestellen oder selber berechnen.

Merksatz: Der Modul ist die Grösse eines Zahnes in Millimeter.
Grosser Modul = grosse, starke Zähne. Kleiner Modul = kleine, feine Zähne.
Zwei Zahnräder passen nur zusammen, wenn sie den gleichen Modul haben (und den gleichen Eingriffswinkel, heute fast immer 20°).

Was ist der Modul? Schritt für Schritt

SchrittErklärung
1. TeilungDer Abstand von einem Zahn zum nächsten, gemessen auf dem Teilkreis, heisst Teilung p
2. UmfangRund um den Teilkreis haben alle Zähne Platz: Umfang = Zähnezahl × Teilung, also d × π = z × p
3. Das ProblemMit der Teilung p bekommt man immer «krumme» Durchmesser, weil π = 3,14159… darin steckt
4. Die Lösung: der ModulMan teilt die Teilung durch π: m = p / π. Dann wird es ganz einfach: d = m × z
5. BeispielModul 2 und 30 Zähne: d = 2 × 30 = 60 mm. Ohne π, ohne Taschenrechner!
Kopfkreis dk Teilkreis d Fusskreis df hk = 1 m hf = 1,25 m Teilung p = m × π (Mitte zu Mitte) Zahnform «abgewickelt» (wie eine Zahnstange). m = Modul. Ganze Zahnhöhe h = 2,25 m

Warum «plus 2 Zähne»?

Über dem Teilkreis steht der Zahnkopf. Er ist genau 1 Modul hoch, auf beiden Seiten des Rades. Der Aussendurchmesser ist also um 2 Modul grösser als der Teilkreis:

dk = d + 2 × m = m × z + 2 × m = m × (z + 2)
Darum gilt beim Ausmessen: Modul = Aussendurchmesser / (Zähnezahl + 2). Die «2 Zähne mehr» sind die zwei Zahnköpfe.

Warum ist der Zahnfuss tiefer als der Kopf?

Der Zahnfuss ist 1,25 Modul tief, also 0,25 Modul tiefer als der Kopf des Gegenrades hoch ist. Dieser Abstand heisst Kopfspiel. So stösst der Zahnkopf nicht unten auf («steht nicht auf»), und es bleibt Platz für Öl und Schmutz. Darum: beim Fräsen immer etwa 20 bis 25 % von einem Modul tiefer gehen.

Alle Formeln

GrösseZeichenFormel
Teilkreis-Ødm × z
Kopfkreis-Ø (aussen)dkm × (z + 2) = d + 2 m
Fusskreis-Ødfd − 2,5 m
Kopfhöhehk1 × m
Fusshöhehf1,25 × m
Ganze Zahnhöhe (Frästiefe)h2,25 × m
Teilungpm × π
Achsabstand zweier Räderam × (z1 + z2) / 2
Übersetzungiz2 / z1 = n1 / n2
Zahnbreite (Richtwert)bca. 6 bis 12 × m

Zahnrad-Rechner

Modul ermitteln: Zahnrad ausmessen

Aussendurchmesser mit der Schieblehre messen und Zähne zählen:

Normmodule (DIN 780, Reihe 1)

Modul mTeilung p mmZahnhöhe h mm
0,51,571,13
0,61,881,35
0,82,511,8
13,142,25
1,253,932,81
1,54,713,38
26,284,5
2,57,855,63
39,426,75
412,579
515,7111,25
618,8513,5
825,1318
1031,4222,5
1237,727
1650,2736
2062,8345

Zoll-Zahnräder: Diametral Pitch (DP)

Amerikanische und englische Zahnräder haben keinen Modul, sondern den Diametral Pitch DP = Zähne pro Zoll Teilkreis-Durchmesser. Umrechnung: m = 25,4 / DP.

DPentspricht Modulnächster Normmodul
640,3970,5
480,5290,5
320,7940,8
241,0581
201,271,25
161,5871,5
122,1172
102,542,5
83,1753
64,2334
55,085
46,356

Achtung: Ein Zahnrad DP 16 (Modul 1,588) sieht fast gleich aus wie Modul 1,5, passt aber nicht zusammen! Bei alten Maschinen immer prüfen, ob Modul oder DP.

Übungen (Lösung anklicken)

Übung 1: Ein Zahnrad hat 48 Zähne, gemessen dk = 74,9 mm. Welcher Modul?

Lösung: m = 74,9 / (48 + 2) = 1,498 → Modul 1,5 (der Kopf ist leicht abgenutzt)

Übung 2: dk = 123 mm, 80 Zähne. Welcher Modul?

Lösung: m = 123 / (80 + 2) = 1,5

Übung 3: dk = 99,3 mm, 64 Zähne. Welcher Modul?

Lösung: m = 99,3 / (64 + 2) = 1,505 → Modul 1,5

Übung 4: Teilkreis d = 300 mm, Modul 3. Wie viele Zähne, dk und df?

Lösung: z = 300 / 3 = 100 Zähne, dk = 300 + 2 × 3 = 306 mm, df = 300 − 2,5 × 3 = 292,5 mm

Übung 5 (Achtung!): Teilkreis d = 139 mm, Modul 3. Wie viele Zähne?

Lösung: 139 / 3 = 46,33: geht nicht! Die Zähnezahl muss eine ganze Zahl sein. Möglich sind z = 46 (d = 138 mm) oder z = 47 (d = 141 mm)

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 12

Wälzlager

Lagerbezeichnung lesen

TeilBedeutung
6…Bauart: 6 = Rillenkugellager, 7 = Schrägkugellager, 2 = Pendelrollenlager, 3 = Kegelrollenlager, N = Zylinderrollenlager
…2… / …3…Massreihe: 0 = leicht, 2 = mittel, 3 = schwer
letzte 2 ZiffernBohrung: 00 = 10 mm, 01 = 12 mm, 02 = 15 mm, 03 = 17 mm, ab 04: Zahl × 5 (z. B. 08 = 40 mm)
2RS / 2RSHBeidseitig Gummi-Dichtung
2Z / ZZBeidseitig Deckscheibe aus Stahl
C3Lagerluft grösser als normal (z. B. für Elektromotoren)
KKegelige Bohrung 1:12

Rillenkugellager Reihe 60

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mmDrehzahl offen / 2Z ca. 1/minDrehzahl 2RS ca. 1/min
60001026836’00018’000
60011228832’50016’000
60021532927’50013’500
600317351025’00012’500
600420421221’00010’500
600525471218’0009’000
600630551315’5007’500
600735621413’5006’500
600840681512’0006’000
600945751611’0005’500
601050801610’0005’000

Rillenkugellager Reihe 62

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mmDrehzahl offen / 2Z ca. 1/minDrehzahl 2RS ca. 1/min
62001030932’50016’000
620112321029’50014’500
620215351126’00013’000
620317401223’00011’000
620420471419’5009’500
620525521517’0008’500
620630621614’0007’000
620735721712’0006’000
620840801811’0005’500
620945851910’0005’000
62105090209’5004’500

Rillenkugellager Reihe 63

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mmDrehzahl offen / 2Z ca. 1/minDrehzahl 2RS ca. 1/min
630010351125’50012’500
630112371223’50011’500
630215421320’00010’000
630317471418’0009’000
630420521516’0008’000
630525621713’0006’500
630630721911’0005’500
630735802110’0005’000
63084090239’0004’500
630945100258’0004’000
631050110277’0003’500

Drehzahlen sind ungefähre Grenzwerte bei Fettschmierung und normaler Belastung (Richtwert). Mit Ölschmierung sind höhere Drehzahlen möglich. Die genauen Werte stehen im Katalog des Lagerherstellers.

Schrägkugellager und Spindellager

Merksatz: Die 60er, 62er, 63er Reihe sind Rillenkugellager. Die 70er, 72er, 73er Reihe sind Schrägkugellager mit den gleichen Massen (z. B. 7205 = gleich gross wie 6205).
Ein Schrägkugellager trägt axial nur in eine Richtung. Darum braucht es immer 2 Lager (oder ein Gegenlager).
Lager-ReiheBauartGleiche Masse wie
60xx, 62xx, 63xxRillenkugellager: radial und axial in beide Richtungen, einfach und günstig–
70xxSchrägkugellager / Spindellager, leichte Reihe60xx
72xxSchrägkugellager, mittlere Reihe62xx
73xxSchrägkugellager, schwere Reihe63xx
719xxSpindellager, sehr leichte Reihe619xx

Druckwinkel: was passt wofür?

DruckwinkelKennzeichen (Nachsetzzeichen)EigenschaftenTypische Anwendung
15°CSehr hohe Drehzahl, hohe Präzision, kleine AxiallastSpindellager: Schleif- und schnelle Frässpindeln
25°AC oder EMittelweg: hohe Drehzahl und gute AxiallastSpindellager: Dreh- und Frässpindeln
40°B oder BEWesentlich besser für hohe axiale Belastung, dafür tiefere DrehzahlNormale Schrägkugellager: Getriebe, Pumpen, Schneckenwellen, Kugelgewindetriebe

Faustregel: Je grösser der Druckwinkel, desto mehr Axiallast, aber desto tiefer die mögliche Drehzahl. Die Buchstaben können je nach Hersteller leicht abweichen, bitte im Katalog prüfen.

Drehzahlen im Vergleich

Lager (gleiche Grösse)Drehzahl im Vergleich zum Rillenkugellager
Schrägkugellager 40° (72xx B, 73xx B)etwas tiefer, ca. 70 bis 90 %
Spindellager 25° (70xx AC/E), Fettca. 1,3- bis 1,5-mal höher
Spindellager 15° (70xx C), Fettca. 1,5- bis 2-mal höher
Spindellager Hybrid (Keramikkugeln), Öl-Luftbis ca. 2,5- bis 3-mal höher

Spindellager Reihe 70 (gleiche Masse wie 60)

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mm15° (C) Fett ca. 1/min25° (AC/E) Fett ca. 1/min15° Hybrid, Öl-Luft ca. 1/min
70001026855’50047’000100’000
70011228850’00042’50090’000
70021532942’50036’00076’500
700317351038’50032’50069’000
700420421232’50027’50058’000
700525471228’00023’50050’000
700630551323’50020’00042’500
700735621420’50017’50037’000
700840681518’50015’50033’500
700945751616’50014’00030’000
701050801615’50013’00027’500

Schrägkugellager Reihe 72 B, 40° (gleiche Masse wie 62)

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mm40° (B) offen, Fett ca. 1/min40° (B) 2RS (geschlossen) ca. 1/min
7200 B1030926’00013’000
7201 B12321023’50012’000
7202 B15351121’00010’500
7203 B17401218’0009’000
7204 B20471415’5008’000
7205 B25521513’5007’000
7206 B30621611’5005’500
7207 B3572179’5005’000
7208 B4080188’5004’500
7209 B4585198’0004’000
7210 B5090207’5003’500

Schrägkugellager Reihe 73 B, 40° (gleiche Masse wie 63)

LagerBohrung d mmAussen-Ø D mmBreite B mm40° (B) offen, Fett ca. 1/min40° (B) 2RS (geschlossen) ca. 1/min
7300 B10351120’50010’000
7301 B12371219’0009’500
7302 B15421316’0008’000
7303 B17471414’5007’000
7304 B20521513’0006’500
7305 B25621710’5005’500
7306 B3072199’0004’500
7307 B3580218’0004’000
7308 B4090237’0003’500
7309 B45100256’5003’000
7310 B50110276’0003’000
KennzeichenBedeutung bei Schrägkugellagern
2RS / 2RSRBeidseitig geschlossen mit Gummi-Dichtscheiben (schleifend), mit Fett gefüllt, wartungsfrei. Drehzahl ca. halb so hoch wie offen
2Z / 2RZBeidseitig geschlossen mit Deckscheiben bzw. berührungsarmen Dichtungen, höhere Drehzahl als 2RS
TVP / TVHKäfig aus Polyamid (Kunststoff): leicht und leise, bis ca. 120 °C
M / MPMassiver Messingkäfig: robust, für hohe Temperaturen, Stösse und Vibrationen
J / JPStahlblechkäfig: Standard, günstig

Geschlossene Schrägkugellager werden oft dort eingesetzt, wo kein Ölkreislauf vorhanden ist (z. B. Kugelgewinde-Lagerungen, Pumpen, Rollen). Kennzeichen je nach Hersteller leicht verschieden, bitte im Katalog prüfen.

Drehzahlen sind ungefähre Richtwerte für ein einzelnes Lager mit leichter Vorspannung. Bei Lagerpaaren ca. 80 %, bei mittlerer Vorspannung ca. 75 %, bei schwerer Vorspannung ca. 50 % dieser Werte. Spindellager erreichen diese Drehzahlen nur mit Genauigkeitsklasse P4/P2, korrektem Einbau und Einlaufen. Massgebend ist immer der Katalog des Herstellers (z. B. SKF, FAG, GMN).

Einbau in Paaren

AnordnungKurzzeichenEigenschaften
O-AnordnungDBDruckrichtungen zeigen nach aussen. Sehr steif gegen Kippen. Standard bei Werkzeugmaschinen-Spindeln
X-AnordnungDFDruckrichtungen zeigen nach innen. Weniger kippsteif, gleicht kleine Fluchtfehler besser aus
Tandem-AnordnungDTBeide Lager tragen in die gleiche Richtung, teilen sich eine hohe Axiallast. Braucht ein Gegenlager für die andere Richtung

Gepaarte Lager immer als Satz verwenden und nicht mit Lagern aus anderen Sätzen mischen. Nur «universell gepaarte» Lager (Nachsetzzeichen z. B. UA, UB, UO) dürfen frei kombiniert werden. Die V-Markierung auf den Aussenringen zeigt, wie der Satz zusammengehört.

Offen, 2Z oder 2RS? Abdichtung und Drehzahl

AusführungAbdichtungDrehzahlWann verwenden?
Offenkeineam höchsten (mit Ölschmierung noch höher)Schmierung von aussen, z. B. Spindeln, Getriebe mit Öl
2Z / ZZDeckscheiben aus Stahl, berührungsfreifast gleich wie offenMit Fett gefüllt, wartungsfrei; schützt gegen Staub, nicht gegen Wasser
2RZ / 2RSLDichtscheiben, berührungsarmetwas tieferKompromiss zwischen Abdichtung und Drehzahl
2RS / 2RSHGummi-Dichtscheiben, schleifendtief: oft nur etwa halb so hoch wie offenSchmutz, Spritzwasser, Kühlmittel; erzeugt mehr Reibung und Wärme

Die genaue Drehzahlgrenze steht im Katalog des Herstellers (Grenzdrehzahl). Abgedichtete Lager sind mit Fett gefüllt und werden nicht nachgeschmiert.

Passungen für Wälzlager (Richtwerte)

FallWelleGehäuse
Innenring dreht, normale Lastk5 / k6H7
Innenring dreht, hohe Lastm6 / n6H7
Innenring steht (z. B. Laufrolle)g6 / h6M7 / N7 (Aussenring dreht)
Loslager, Aussenring verschiebbark6H7 / G7

Lager nie über die Wälzkörper einpressen: Kraft immer auf den Ring geben, der die Passung hat.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 13

Kugelgewindetrieb und Trapezspindel

Merksatz: Ein Kugelgewindetrieb ist nicht selbsthemmend. Eine senkrechte Achse fällt ohne Bremse oder Gewichtsausgleich herunter!
Eine Trapezspindel mit kleiner Steigung ist meist selbsthemmend, hat dafür viel mehr Reibung.

Vergleich

EigenschaftKugelgewindetriebTrapezspindel
Wirkungsgradca. 90 %ca. 30 bis 50 %
Selbsthemmungneinmeist ja (kleine Steigung)
Spielspielfrei mit Vorspannunghat Spiel, nutzt sich ab
Genauigkeitsehr hochmittel
EinsatzCNC-Achsen, PositionierenHandverstellungen, Hubtische, einfache Antriebe

Bezeichnung und Genauigkeit

AngabeBedeutung
40 × 10Nenndurchmesser 40 mm, Steigung 10 mm (eine Umdrehung = 10 mm Weg)
Klasse C0, C1, C3Sehr genau, geschliffen: Präzisions- und Schleifmaschinen
Klasse C5Geschliffen: übliche Werkzeugmaschinen
Klasse C7, C10Gerollt: Transport- und Handlingachsen

Kraft und Antriebsmoment

GrösseFormel
AxialkraftF [N] = M [Nm] × 2 π × η / P [m]
AntriebsmomentM [Nm] = F [N] × P [m] / (2 π × η)

Beispiel: 1 Nm an einer Spindel mit 10 mm Steigung und η = 0,8 ergibt F = 1 × 6,28 × 0,8 / 0,010 = 502 N, also ca. 50 kg. Mit 10 Nm sind es ca. 500 kg. P = Steigung in Meter.

Montage: worauf achten (WIAP-Praxis)

PunktHinweis
Die Führungen sind der «Chef»Die Spindel muss genau parallel zu den Führungen liegen. Abweichung über den ganzen Weg höchstens ca. 0,03 mm, horizontal und vertikal
Drei Punkte in einer LinieFestlager, Mutter und Loslager (bzw. Motoranschluss) müssen genau fluchten. Diese Toleranz ist anspruchsvoll
AusrichtenMit Messuhr über den ganzen Verfahrweg prüfen, Mutter in beiden Endlagen und in der Mitte kontrollieren
Mutter nie einfach abdrehenOhne Montagehülse fallen die Kugeln heraus
LagerungFestlager meist mit Axial-Schrägkugellagern (60°) paarweise, Loslager mit Rillenkugellager
Vorspannung prüfenLeerlauf-Drehmoment messen: Schnur mit Gewicht über eine Scheibe auf der Spindel legen und prüfen, ob sich die Spindel gleichmässig dreht
Mutter mit Klemmschraube (z. B. Star)Die Klemmschraube so weit anziehen, bis das Umkehrspiel weg ist, aber nicht weiter: Sonst wird die Mutter zu streng, wird warm und verschleisst. Danach das Leerlauf-Drehmoment kontrollieren. Richtwerte aus der WIAP-Praxis (Klasse C1): 63 × 10 ca. 3,6 Nm, 31 × 10 ca. 0,8 Nm
Umkehrspiel messenMessuhr an den Schlitten setzen, Achse in eine Richtung fahren, Uhr auf null stellen, dann in die Gegenrichtung fahren: Der Weg, bis sich der Schlitten bewegt, ist das Umkehrspiel
Schmierung und SchutzRegelmässig schmieren, Abstreifer und Abdeckungen prüfen; Späne zerstören die Kugelbahnen

Kritische Drehzahl und Knicklänge der Spindel immer nach Angaben des Herstellers prüfen, besonders bei langen, dünnen Spindeln.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 14

Sicherungsringe, Dichtungen, Schläuche

Sicherungsringe für Wellen (DIN 471)

Wellen-Ø mmNut-Ø mmNutbreite mmRingdicke mm
109,61,11
1211,51,11
1514,31,11
1716,21,11
20191,31,2
2523,91,31,2
3028,61,61,5
35331,61,5
4037,51,851,75
4542,51,851,75
50472,152

Sicherungsringe für Bohrungen (DIN 472)

Bohrungs-Ø mmNut-Ø mmNutbreite mmRingdicke mm
20211,11
2526,21,31,2
3031,41,31,2
35371,61,5
4042,51,851,75
4749,51,851,75
52552,152
62652,152
72752,652,5
8083,52,652,5

O-Ringe: Grundregeln

ThemaRichtwert
Verpressung statisch15 bis 30 % der Schnurstärke
Verpressung dynamisch10 bis 20 % der Schnurstärke
Nutbreiteca. 1,3 bis 1,5 × Schnurstärke
Füllgrad der Nuthöchstens ca. 85 %
MontageEinführschräge 15° bis 20°, Kanten entgraten, O-Ring einfetten, nicht über Gewinde ziehen
WerkstoffNBR: Öl, Hydraulik bis ca. 100 °C · FKM (Viton): hohe Temperatur bis ca. 200 °C · EPDM: Wasser, Dampf, nicht für Mineralöl

Hydraulikschläuche: Nennweiten

Nennweite DNInnen-Ø ZollInnen-Ø mm ca.
DN 61/46,4
DN 85/167,9
DN 103/89,5
DN 121/212,7
DN 165/815,9
DN 193/419
DN 25125,4
DN 311 1/431,8

Schläuche ohne Verdrehung und mit genügend Biegeradius einbauen. Betriebsdruck des Schlauches muss mindestens dem Systemdruck entsprechen.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 15

Öle und Schmierstoffe

Viele alte Maschinen haben auf dem Schmierplan nur einen Markennamen (z. B. «Mobil DTE Oil Medium» oder «Shell Tonna 68»), aber keine Angabe zur Dicke des Öls. Mit den Tabellen hier findet man die Viskositätsklasse ISO VG und die Öl-Art und kann ein heutiges, gleichwertiges Öl wählen.

Merksatz: Die Zahl hinter ISO VG ist die Dicke (Viskosität) bei 40 °C in mm²/s. Grössere Zahl = dickeres Öl.
Wichtig ist immer beides: die Dicke (VG) und die Art (Hydrauliköl, Gleitbahnöl, Getriebeöl). Ein Gleitbahnöl VG 68 ist nicht das gleiche wie ein Hydrauliköl VG 68!
Wichtige Praxisregeln:
• Gleitbahnöl VG 68 für Flachbett-Maschinen und waagrechte Führungen.
• Gleitbahnöl VG 220 für Schrägbett-Maschinen und senkrechte Führungen: Das dickere Öl bleibt besser auf der schrägen Bahn und läuft nicht so schnell ab.
• Pneumatik-Öl ist dünn (meist VG 32). Achtung: Viele neue Pneumatik-Teile sind ab Werk «lebensdauergeschmiert» und brauchen kein Öl. Hat man aber einmal geölt, muss man immer weiter ölen, weil das Öl das Werksfett auswäscht.
• Hydrauliköl in Werkzeugmaschinen meist VG 32 oder 46, Getriebeöl meist VG 220.

Öl-Arten (Kennbuchstaben nach DIN 51502)

KennzeichenÖl-ArtTypische VerwendungÜbliche Dicke
HLPHydrauliköl mit VerschleissschutzHydraulikaggregate, SpannhydraulikVG 32, 46, 68
HVLPHydrauliköl, wenig temperaturabhängigHydraulik draussen oder mit starken TemperaturschwankungenVG 32, 46, 68
CGLPGleitbahnöl mit Haftzusätzen (gegen Ruckgleiten)Führungsbahnen, ZentralschmierungVG 68 für Flachbett und waagrechte Führungen, VG 220 für Schrägbett und senkrechte Führungen
CLPGetriebeöl mit HochdruckzusätzenZahnradgetriebeVG 68 bis 460
FD / SpindelölSehr dünnes ÖlSchnelllaufende Spindeln, Öl-Nebel-SchmierungVG 2 bis 22
Pneumatik-ÖlDünnes Öl für den Druckluft-Öler (Wartungseinheit)Druckluftzylinder und Ventile, die geölt werden müssendünn: meist VG 32 (VG 10 bis 32)
So liest man die Tabellen: Alten Namen vom Schmierplan oder vom Ölfass suchen → Öl-Art und ISO VG ablesen → heutiges Öl mit gleicher Art und gleicher VG nehmen.
✓ sicher = gut bekannt. ⚠ noch zu klären (gelb) = Angabe unsicher, bitte mit dem Öl-Lieferanten oder dem Datenblatt prüfen.

Hydrauliköle und Umlauföle

MarkeAlter NameÖl-ArtISO VGHeutiger Name (ca.)Status
MobilDTE Oil LightHydraulik / Umlauf HLP32DTE 24 / DTE 24 Ultra✓ sicher
MobilDTE Oil MediumHydraulik / Umlauf HLP46DTE 25 / DTE 25 Ultra✓ sicher
MobilDTE Oil Heavy MediumHydraulik / Umlauf HLP68DTE 26 / DTE 26 Ultra✓ sicher
MobilDTE Oil HeavyHydraulik / Umlauf HLP100DTE 27 / DTE Oil Heavy✓ sicher
MobilDTE Oil Extra HeavyUmlauföl150DTE Oil Extra Heavy⚠ noch zu klären
MobilDTE Oil BBUmlauföl220DTE Oil BB⚠ noch zu klären
MobilDTE Oil AAUmlauföl320 ?DTE Oil AA⚠ noch zu klären
ShellTellus 32 / 46 / 68Hydraulik HLP32 / 46 / 68Tellus S2 M 32 / 46 / 68✓ sicher
ShellTellus 22 / 27 / 33 / 37 (vor 1975)Hydraulikunbekannt–⚠ noch zu klären
ShellVitrea 32 bis 460Umlauföl CLZahl = VGMorlina S1 B✓ sicher
EssoNuto H 32 / 46 / 68Hydraulik HLP32 / 46 / 68Nuto H✓ sicher
EssoTeresso 32 / 46 / 68Umlauf- / Turbinenöl32 / 46 / 68Teresso✓ sicher
BPEnergol HLP-HM 32 / 46 / 68Hydraulik HLP32 / 46 / 68Energol HLP-HM / Castrol Hyspin✓ sicher
BPEnergol CS 32 bis 460Umlauföl CLZahl = VG–✓ sicher
CastrolHyspin AWS 32 / 46 / 68Hydraulik HLP32 / 46 / 68Hyspin AWS✓ sicher
FuchsRenolin B 10 / B 15 / B 20Hydraulik HLP32 / 46 / 68 ?Renolin B / MR⚠ noch zu klären
MotorexCorex HLP 32 / 46 / 68Hydraulik HLP32 / 46 / 68Corex HLP✓ sicher

Gleitbahnöle

MarkeAlter NameÖl-ArtISO VGHeutiger Name (ca.)Status
MobilVactra Oil No. 1Gleitbahn CGLP32 ?Vactra No. 1⚠ noch zu klären
MobilVactra Oil No. 2Gleitbahn CGLP68Vactra No. 2✓ sicher
MobilVactra Oil No. 3Gleitbahn CGLP150 ?Vactra No. 3⚠ noch zu klären
MobilVactra Oil No. 4Gleitbahn CGLP220Vactra No. 4✓ sicher
MobilGargoyle Vactra Oil (sehr alt)GleitbahnunbekanntVactra⚠ noch zu klären
ShellTonna T 68 / T 220Gleitbahn CGLP68 / 220Tonna S3 M 68 / 220✓ sicher
ShellTonna 33 / 72 (vor 1975)GleitbahnunbekanntTonna S3 M⚠ noch zu klären
EssoFebis K 68 / K 220Gleitbahn CGLP68 / 220Febis K✓ sicher
BPMaccurat 68 / 220Gleitbahn CGLP68 / 220Castrol Magna BD✓ sicher
CastrolMagna BD 68 / BD 220Gleitbahn CGLP68 / 220Magna BD✓ sicher

Getriebeöle

MarkeAlter NameÖl-ArtISO VGHeutiger Name (ca.)Status
MobilMobilgear 626Getriebe CLP68Mobilgear 600 XP 68✓ sicher
MobilMobilgear 627Getriebe CLP100Mobilgear 600 XP 100✓ sicher
MobilMobilgear 629Getriebe CLP150Mobilgear 600 XP 150✓ sicher
MobilMobilgear 630Getriebe CLP220Mobilgear 600 XP 220✓ sicher
MobilMobilgear 632Getriebe CLP320Mobilgear 600 XP 320✓ sicher
MobilMobilgear 634Getriebe CLP460Mobilgear 600 XP 460✓ sicher
MobilMobilgear 636Getriebe CLP680Mobilgear 600 XP 680✓ sicher
ShellOmala 68 bis 680Getriebe CLPZahl = VGOmala S2 G / S2 GX✓ sicher
EssoSpartan EP 68 bis 680Getriebe CLPZahl = VGSpartan EP✓ sicher
BPEnergol GR-XP 68 bis 680Getriebe CLPZahl = VGCastrol Optigear BM✓ sicher
CastrolAlpha SP 68 bis 680Getriebe CLPZahl = VGOptigear BM✓ sicher

Spindelöle

MarkeAlter NameÖl-ArtISO VGHeutiger Name (ca.)Status
MobilVelocite Oil No. 3Spindelöl2 ?Velocite No. 3⚠ noch zu klären
MobilVelocite Oil No. 4Spindelöl3 oder 5 ?Velocite No. 4⚠ noch zu klären
MobilVelocite Oil No. 6Spindelöl10Velocite No. 6✓ sicher
MobilVelocite Oil No. 10Spindelöl22Velocite No. 10✓ sicher
EssoSpinesso 10 / 22Spindelöl10 / 22Spinesso✓ sicher
ShellMorlina 10Spindelöl10Morlina S2 BL 10✓ sicher

Unbekanntes Öl auf einer alten Maschine?

SchrittWas tun
1. SuchenSchmierplan, Typenschild, Betriebsanleitung, Aufschrift auf Ölkanne oder Fass suchen
2. Verwendung bestimmenWo ist das Öl? Hydraulik → HLP, Führungsbahn / Zentralschmierung → CGLP, Zahnradgetriebe → CLP, schnelle Spindel → Spindelöl
3. Dicke schätzenWenn nichts bekannt ist: übliche Dicke der Öl-Art nehmen (Hydraulik VG 46, Gleitbahn VG 68, Getriebe VG 220)
4. Probe abgebenBei wichtigen Maschinen eine Ölprobe beim Öl-Lieferanten analysieren lassen
5. AufschreibenNeues Öl (Marke, Name, Art, ISO VG) gut sichtbar auf den Schmierplan und an die Maschine schreiben

Die Namen der Hersteller ändern sich immer wieder. Vor dem Wechsel immer das aktuelle Datenblatt prüfen oder beim Öl-Lieferanten nachfragen.

Alte Angaben umrechnen: SAE, Engler, cSt bei 50 °C

Sehr alte Schmierpläne geben die Dicke oft in °E (Grad Engler) bei 50 °C, in cSt bei 50 °C oder als SAE-Klasse an. Die Tabelle zeigt die ungefähre Entsprechung:

ISO VG (40 °C)ca. cSt bei 50 °Cca. °E bei 50 °Cca. SAE Motorölca. SAE Getriebeöl
1071,6––
22152,35W–
3221310W–
4629415W / 2075W
68415,520 / 20W80W
100587,73080W / 85W
15082114085W-90
220118165090
32016522–90 / 140
46023031–140

Die Umrechnung ist nur ein Richtwert (für Öle mit normalem Viskositätsindex). Motoröle gehören nicht in Hydraulik oder Getriebe einer Werkzeugmaschine: Sie enthalten andere Zusätze.

Regeln für den Ölwechsel

RegelWarum
Öle nicht mischenVerschiedene Zusätze können sich nicht vertragen: Schaum, Schlamm, verstopfte Filter
Beim Umstellen spülenAltes Öl ganz ablassen, bei Hydraulik mit dem neuen Öl spülen und den Filter wechseln
Gleitbahnöl nicht ins HydrauliksystemHaftzusätze verkleben Ventile. Ausnahme: Maschinen, bei denen der Hersteller ein gemeinsames Öl vorschreibt
SauberkeitÖl immer über einen Filter oder mit sauberen Kannen einfüllen. Schmutz ist der grösste Feind der Hydraulik
Schmierplan anpassenDie neue Ölbezeichnung (Marke, Name, ISO VG) auf den Schmierplan der Maschine schreiben

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 16

Hydraulik

Kraft und Gewicht – Merksatz:
10 N ≈ 1 kg (genau: 1 kg = 9,81 N)
1 kN = 1000 N ≈ 100 kg (genau 102 kg)
10 kN ≈ 1 Tonne

Kraft-Umrechner N ⇄ kN ⇄ kg

Eine Zahl in ein Feld tippen, die anderen rechnen sich aus. «kg» bedeutet hier die Gewichtskraft (Masse × 9,81).

Wichtige Formeln

GrösseFormel
KolbenkraftF [daN] = p [bar] × A [cm²]
KolbenflächeA [cm²] = d² [mm] × π / 400
Kolbengeschwindigkeitv [m/min] = Q [l/min] × 10 / A [cm²]
Hydraulische LeistungP [kW] = p [bar] × Q [l/min] / 600  (kW × 1,36 = PS)
Antriebsleistung PumpeP [kW] = p × Q / (600 × η), η ≈ 0,85
Rohr-Innendurchmesserd [mm] = 4,6 × √(Q [l/min] / v [m/s])

Zylinderkräfte (Kolbenseite, ohne Reibung)

Kolben-Ø mmFläche cm²Kraft bei 50 bar kNbei 100 bar kNbei 160 bar kNbei 200 bar kN
254,912,5≈ 250 kg4,9≈ 500 kg7,9≈ 810 kg9,8≈ 1’000 kg
328,044≈ 410 kg8≈ 820 kg12,9≈ 1’300 kg16,1≈ 1’600 kg
4012,576,3≈ 640 kg12,6≈ 1’300 kg20,1≈ 2’000 kg25,1≈ 2’600 kg
5019,639,8≈ 1’000 kg19,6≈ 2’000 kg31,4≈ 3’200 kg39,3≈ 4’000 kg
6331,1715,6≈ 1’600 kg31,2≈ 3’200 kg49,9≈ 5’100 kg62,3≈ 6’400 kg
8050,2725,1≈ 2’600 kg50,3≈ 5’100 kg80,4≈ 8’200 kg100,5≈ 10’200 kg
10078,5439,3≈ 4’000 kg78,5≈ 8’000 kg125,7≈ 12’800 kg157,1≈ 16’000 kg
125122,7261,4≈ 6’300 kg122,7≈ 12’500 kg196,3≈ 20’000 kg245,4≈ 25’000 kg
160201,06100,5≈ 10’200 kg201,1≈ 20’500 kg321,7≈ 32’800 kg402,1≈ 41’000 kg

Strömungsgeschwindigkeit in Leitungen (Richtwerte)

LeitungGeschwindigkeit m/s
Saugleitung0,5 bis 1,5
Rücklaufleitung2 bis 3
Druckleitung bis 100 bar3 bis 5
Druckleitung über 100 bar4 bis 6

Rohrverschraubungen 24° (DIN 2353 / ISO 8434-1)

Rohr-Aussen-Ø mmReihe L (leicht) GewindeReihe S (schwer) Gewinde
6M12 × 1,5M14 × 1,5
8M14 × 1,5M16 × 1,5
10M16 × 1,5M18 × 1,5
12M18 × 1,5M20 × 1,5
15M22 × 1,5–
16–M24 × 1,5
18M26 × 1,5–
20–M30 × 2
22M30 × 2–
25–M36 × 2
28M36 × 2–
30–M42 × 2
35M45 × 2–
38–M52 × 2
42M52 × 2–

Einheiten

Umrechnung
1 kN= 1000 N ≈ 102 kg
1 bar≈ 1 kg/cm² · = 0,1 MPa = 10 N/cm² = 14,5 psi
1 MPa= 10 bar
1 l/min= 16,67 cm³/s
1 US-Gallone= 3,785 l

Vor Arbeiten an der Hydraulik: Anlage drucklos machen und Druckspeicher entladen!

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 17

Pneumatik

Merksatz für alle: 1 bar ≈ 1 kg auf 1 cm². Ein Zylinder mit 10 cm² Kolbenfläche drückt bei 6 bar also etwa 60 kg (genau: 1 bar = 1,02 kp/cm² = 10 N/cm²).
Kraft: 10 N ≈ 1 kg · 1 kN = 1000 N ≈ 100 kg · zum Kraft-Umrechner

Druck-Einheiten

EinheitUmrechnung
1 bar≈ 1 kg/cm² · = 10 N/cm² · = 0,1 MPa · = 100 kPa · = 14,5 psi
1 psi= 0,0689 bar
1 atm= 1,013 bar (Luftdruck auf Meereshöhe)
Werkstatt-Normdruck6 bis 8 bar

Zylinderkräfte (effektiv, mit Reibung)

Druckkraft = Kolbenseite, Zugkraft = Stangenseite (Ringfläche). Werte in Newton (10 N ≈ 1 kg), mit Wirkungsgrad η ≈ 0,88, gerundet.

Kolben-Ø mmStangen-Ø mm3 bar Druck N3 bar Zug N6 bar Druck N6 bar Zug N
12630≈ 3 kg20≈ 2 kg60≈ 6 kg40≈ 4 kg
16650≈ 5 kg50≈ 5 kg110≈ 11 kg90≈ 9 kg
20880≈ 8 kg70≈ 7 kg170≈ 17 kg140≈ 14 kg
2510130≈ 13 kg110≈ 11 kg260≈ 27 kg220≈ 22 kg
3212210≈ 21 kg180≈ 18 kg420≈ 43 kg360≈ 37 kg
4016330≈ 34 kg280≈ 29 kg660≈ 67 kg560≈ 57 kg
5020520≈ 53 kg440≈ 45 kg1040≈ 110 kg870≈ 89 kg
6320820≈ 84 kg740≈ 75 kg1650≈ 170 kg1480≈ 150 kg
80251330≈ 140 kg1200≈ 120 kg2650≈ 270 kg2390≈ 240 kg
100252070≈ 210 kg1940≈ 200 kg4150≈ 420 kg3890≈ 400 kg
125323240≈ 330 kg3030≈ 310 kg6480≈ 660 kg6050≈ 620 kg
160405310≈ 540 kg4980≈ 510 kg10620≈ 1’100 kg9950≈ 1’000 kg
200408290≈ 850 kg7960≈ 810 kg16590≈ 1’700 kg15920≈ 1’600 kg
2505012960≈ 1’300 kg12440≈ 1’300 kg25920≈ 2’600 kg24880≈ 2’500 kg
3206321230≈ 2’200 kg20410≈ 2’100 kg42460≈ 4’300 kg40820≈ 4’200 kg

Formel: F [N] = p [bar] × 10 × A [cm²] × η. Stangen-Ø nach üblicher Norm-Zylinderreihe (ISO 15552 / ISO 6432); beim Hersteller prüfen. Für sichere Auslegung Zylinder nur zu ca. 50 bis 70 % der berechneten Kraft belasten.

Luftverbrauch

GrösseFormel
Luftverbrauch pro HubV [l] = A [cm²] × Hub [cm] × (p [bar] + 1) / 1000
Doppeltwirkender ZylinderVerbrauch × 2 (Hin- und Rückhub, Stangenseite etwas weniger)
Verbrauch pro MinuteNl/min = V pro Hub × Hübe pro Minute

Beispiel: Ø 50 mm (19,6 cm²), Hub 20 cm, 6 bar: 19,6 × 20 × 7 / 1000 = 2,7 l pro Hub, doppeltwirkend ca. 5,5 l pro Doppelhub.

Ventile lesen

AngabeBedeutung
3/2-Wegeventil3 Anschlüsse, 2 Schaltstellungen (z. B. für einfachwirkende Zylinder)
5/2-Wegeventil5 Anschlüsse, 2 Schaltstellungen (für doppeltwirkende Zylinder)
5/3-Wegeventil5 Anschlüsse, 3 Schaltstellungen; Mittelstellung gesperrt, entlüftet oder belüftet
Anschluss 1Druckluft-Eingang (früher P)
Anschlüsse 2 und 4Arbeitsleitungen zum Zylinder (früher A und B)
Anschlüsse 3 und 5Entlüftung (früher R und S)
Anschlüsse 12 und 14Steuer-Anschlüsse (schalten auf 1→2 bzw. 1→4)

Wartung und Montage

ThemaHinweis
WartungseinheitFilter → Druckregler → (Öler, falls nötig). Kondensat regelmässig ablassen. Im Öler nur dünnes Pneumatik-Öl (meist VG 32) verwenden. Wer einmal ölt, muss immer ölen
SchläucheÜbliche Aussen-Ø 4, 6, 8, 10, 12 mm. Schläuche rechtwinklig abschneiden und ganz in die Steckverbindung einstecken
GeschwindigkeitZylinder mit Drossel-Rückschlagventil in der Abluft drosseln
UndichtheitenEin Leck von 1 mm bei 6 bar verliert ca. 60 bis 70 l Luft pro Minute; Lecks kosten viel Energie
SicherheitVor Arbeiten Anlage drucklos machen. Nie Druckluft gegen den Körper richten

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 18

Elektro

Kennbuchstaben für Betriebsmittel

BetriebsmittelAlt (DIN 40719)Neu (IEC 81346-2)
Hauptschalter, LeistungsschalterQQ
MotorschützKQ
Hilfsschütz, RelaisKK
SPS, SteuerungAK
Sicherung, MotorschutzschalterFF
Taster, Schalter (Hand)SS
Endschalter, Sensor, GeberS / BB
MeldeleuchteHP
MotorMM
Transformator, NetzteilT / GT
FrequenzumrichterUT
Klemme, SteckerXX
Kabel, LeitungWW

Aderfarben in Maschinen (IEC 60204-1)

LeiterFarbe
Schutzleiter PEGrün-Gelb
Neutralleiter NHellblau
Hauptstromkreise AC und DCSchwarz
Steuerstromkreise ACRot
Steuerstromkreise DCDunkelblau
Fremdgespeiste VerriegelungskreiseOrange

Schutzarten IP

Ziffer1. Ziffer: Schutz gegen Fremdkörper2. Ziffer: Schutz gegen Wasser
0kein Schutzkein Schutz
1Fremdkörper ab 50 mmsenkrecht fallendes Tropfwasser
2Fremdkörper ab 12,5 mm (Finger)Tropfwasser bis 15° Neigung
3Fremdkörper ab 2,5 mmSprühwasser bis 60°
4Fremdkörper ab 1 mmSpritzwasser aus allen Richtungen
5staubgeschütztStrahlwasser
6staubdichtstarkes Strahlwasser
7–zeitweiliges Untertauchen
8–dauerndes Untertauchen
9–Hochdruck- und Dampfstrahl (9K)

Beispiel: IP54 = staubgeschützt und spritzwassergeschützt.

Formeln

GrösseFormel
Ohmsches GesetzU = R × I
Leistung GleichstromP = U × I
Leistung DrehstromP = √3 × U × I × cos φ
Motor-DrehmomentM [Nm] = 9550 × P [kW] / n [1/min]
mit PS: M [Nm] = 7024 × P [PS] / n [1/min]

Leistung: Was ist 1 PS, was ist 1 kW?

1 PS = 75 kg in 1 Sekunde 1 Meter hochheben.
1 kW = rund 100 kg in 1 Sekunde 1 Meter hochheben (genau 102 kg).

Beispiel für Lernende: Du wiegst 75 kg und rennst in 1 Sekunde eine Treppe 1 Meter hoch (etwa 6 Stufen). Dann leistest du genau 1 PS! Das schaffst du aber nur ein paar Sekunden. Ein Mensch leistet über längere Zeit nur etwa 100 Watt, also rund 1/7 PS. Ein Elektromotor mit 1 kW arbeitet den ganzen Tag.

UmrechnungWert
1 kW= 1000 W = 1,36 PS
1 PS= 0,7355 kW = 735,5 W
1 hp (englisch/amerikanisch)= 0,7457 kW
1 kW= 1,341 hp
FormelP [W] = m [kg] × 9,81 × h [m] / t [s]

Umrechner kW ⇄ PS

Für alle, die noch in PS denken: einfach eine Zahl eingeben.

⇄

1 kW = 1,36 PS · 1 PS = 0,7355 kW

Motor-Nennströme bei 400 V (Richtwerte)

Motorleistung kWentspricht PSNennstrom ca. A
0,370,51,1
0,751,01,9
1,52,03,5
2,23,04,9
34,16,5
45,48,5
5,57,511,5
7,51015
111522
152029
223042

Massgebend ist das Typenschild des Motors. Faustregel: ca. 2 A pro kW bei 400 V. Arbeiten an elektrischen Anlagen nur durch Fachpersonal!

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 19

Elektromotoren (IEC-Normmotoren)

Drehstrom-Normmotoren (IEC) sind weltweit in den Anschlussmassen genormt. Ein Motor einer bestimmten Baugrösse passt darum auch, wenn er von einem anderen Hersteller kommt. Mit den Tabellen findet man Flansch, Welle, Fuss und Drehmoment ohne Katalog.

Merksatz: Die Baugrösse ist die Achshöhe in mm: von der Wellenmitte bis Unterkante Fuss (z. B. Baugrösse 100 = 100 mm).
Mehr Pole = langsamer = mehr Drehmoment bei gleicher Leistung. Ein 4-poliger Motor hat etwa das doppelte Drehmoment eines 2-poligen Motors mit gleicher kW-Zahl.

Polzahl und Drehzahl (bei 50 Hz)

PolzahlSynchrone DrehzahlNenndrehzahl ca.Drehmoment bei 1 kW ca.
2-polig3000 1/min2900 1/min3,3 Nm
4-polig1500 1/min1450 1/min6,6 Nm
6-polig1000 1/min960 1/min9,9 Nm
8-polig750 1/min720 1/min13,3 Nm

Formel: M [Nm] = 9550 × P [kW] / n [1/min]. Bei 60 Hz (z. B. USA) dreht der Motor ca. 20 % schneller. Synchrone Drehzahl = 60 × Frequenz / Polpaarzahl.

Bauformen

BauformBeschreibung
IM B3Fussmotor, liegend
IM B5Grosser Flansch mit Durchgangslöchern (FF), ohne Füsse
IM B14Kleiner Flansch mit Gewindelöchern (FT), ohne Füsse
IM B35Füsse und grosser Flansch B5
IM B34Füsse und kleiner Flansch B14
IM V1Flansch B5, Welle nach unten (senkrecht)

Skizzen: was bedeuten die Buchstaben?

IM B3 – Fussmotor BCEDH Seitenansicht AK Stirnansicht IM B5 – grosser FlanschDurchgangslöcher S P M N S IM B14 – kleiner FlanschGewindelöcher im Flansch P M N Gewinde
BuchstabeBedeutung
HAchshöhe = Baugrösse: Wellenmitte bis Unterkante Fuss
AAbstand der Fusslöcher quer (Stirnansicht)
BAbstand der Fusslöcher längs (Seitenansicht)
CWellenbund bis Mitte erstes Fussloch
KDurchmesser der Fusslöcher
D × EWellen-Durchmesser × Wellen-Länge
PFlansch-Aussendurchmesser
MLochkreis (Teilkreis der Befestigungslöcher)
NZentrierbund-Durchmesser (Passung j6)
SDurchgangslöcher im B5-Flansch; beim B14-Flansch Gewindelöcher

Motor-Rechner 1: Masse zur Baugrösse

Motor-Rechner 2: Drehmoment und Baugrösse aus kW und Polzahl

Anschlussmasse nach Baugrösse

Die Masse sind bei allen Herstellern gleich (IEC 60072).

BaugrösseWelle 2-polig D × EWelle 4- bis 8-polig D × EFuss A (quer)Fuss B (längs)C (Fuss bis Wellenbund)K Fussloch-ØFlansch B5: P / M (Lochkreis) / N / LöcherFlansch B14: P / M (Lochkreis) / N / Gewinde
569 × 209 × 209071365,8FF100: 120 / 100 / 80 / 4 × 7FT65: 80 / 65 / 50 / 4 × M5
6311 × 2311 × 2310080407FF115: 140 / 115 / 95 / 4 × 10FT75: 90 / 75 / 60 / 4 × M5
7114 × 3014 × 3011290457FF130: 160 / 130 / 110 / 4 × 10FT85: 105 / 85 / 70 / 4 × M6
8019 × 4019 × 401251005010FF165: 200 / 165 / 130 / 4 × 12FT100: 120 / 100 / 80 / 4 × M6
9024 × 5024 × 50140100 (S) / 125 (L)5610FF165: 200 / 165 / 130 / 4 × 12FT115: 140 / 115 / 95 / 4 × M8
10028 × 6028 × 601601406312FF215: 250 / 215 / 180 / 4 × 15FT130: 160 / 130 / 110 / 4 × M8
11228 × 6028 × 601901407012FF215: 250 / 215 / 180 / 4 × 15FT130: 160 / 130 / 110 / 4 × M8
13238 × 8038 × 80216140 (S) / 178 (M)8912FF265: 300 / 265 / 230 / 4 × 15FT165: 200 / 165 / 130 / 4 × M10
16042 × 11042 × 110254210 (M) / 254 (L)10815FF300: 350 / 300 / 250 / 4 × 19–
18048 × 11048 × 110279241 (M) / 279 (L)12115FF300: 350 / 300 / 250 / 4 × 19–
20055 × 11055 × 11031830513319FF350: 400 / 350 / 300 / 4 × 19–
22555 × 11060 × 140356286 (S) / 311 (M)14919FF400: 450 / 400 / 350 / 8 × 19–
25060 × 14065 × 14040634916824FF500: 550 / 500 / 450 / 8 × 19–
28065 × 14075 × 140457368 (S) / 419 (M)19024FF500: 550 / 500 / 450 / 8 × 19–
31565 × 14080 × 170508406 (S) / 457 (M)21628FF600: 660 / 600 / 550 / 8 × 24–

Masse in mm. P = Flansch-Aussen-Ø, M = Lochkreis-Ø, N = Zentrierbund-Ø. Die Motorlänge und die Höhe des Klemmenkastens sind je nach Hersteller und Motorserie verschieden. Bei B14 gibt es für viele Baugrössen auch einen grossen B14-Flansch: im Katalog prüfen.

Leistung und Drehmoment: 2-polig (ca. 2900 1/min)

BaugrössekWPSca. 1/minNennmoment ca. NmWelle D × E mm
56 A0,090,1229000,309 × 20
56 B0,120,1629000,409 × 20
63 A0,180,2429000,5911 × 23
63 B0,250,3429000,8211 × 23
71 A0,370,5029001,2214 × 30
71 B0,550,7529001,8114 × 30
80 A0,751,0229002,4719 × 40
80 B1,11,529003,6219 × 40
90 S1,5229004,9424 × 50
90 L2,2329007,2424 × 50
100 L34,129009,8828 × 60
112 M45,4290013,228 × 60
132 SA5,57,5290018,138 × 80
132 SB7,510,2290024,738 × 80
160 MA1115290036,242 × 110
160 MB1520,4290049,442 × 110
160 L18,525,2290060,942 × 110
180 M2229,9290072,448 × 110
200 LA3040,8290098,855 × 110
200 LB3750,3290012255 × 110
225 M4561,2290014855 × 110
250 M5574,8290018160 × 140
280 S75102290024765 × 140
280 M90122,4290029665 × 140
315 S110149,6290036265 × 140
315 MA132179,5290043565 × 140

Leistung und Drehmoment: 4-polig (ca. 1450 1/min)

BaugrössekWPSca. 1/minNennmoment ca. NmWelle D × E mm
56 A0,060,0814500,409 × 20
56 B0,090,1214500,599 × 20
63 A0,120,1614500,7911 × 23
63 B0,180,2414501,1911 × 23
71 A0,250,3414501,6514 × 30
71 B0,370,5014502,4414 × 30
80 A0,550,7514503,6219 × 40
80 B0,751,0214504,9419 × 40
90 S1,11,514507,2424 × 50
90 L1,5214509,8824 × 50
100 LA2,23145014,528 × 60
100 LB34,1145019,828 × 60
112 M45,4145026,328 × 60
132 S5,57,5145036,238 × 80
132 M7,510,2145049,438 × 80
160 M1115145072,442 × 110
160 L1520,4145098,842 × 110
180 M18,525,2145012248 × 110
180 L2229,9145014548 × 110
200 L3040,8145019855 × 110
225 S3750,3145024460 × 140
225 M4561,2145029660 × 140
250 M5574,8145036265 × 140
280 S75102145049475 × 140
280 M90122,4145059375 × 140
315 S110149,6145072480 × 170
315 MA132179,5145086980 × 170

Leistung und Drehmoment: 6-polig (ca. 960 1/min)

BaugrössekWPSca. 1/minNennmoment ca. NmWelle D × E mm
63 B0,120,169601,1911 × 23
71 A0,180,249601,7914 × 30
71 B0,250,349602,4914 × 30
80 A0,370,509603,6819 × 40
80 B0,550,759605,4719 × 40
90 S0,751,029607,4624 × 50
90 L1,11,596010,924 × 50
100 L1,5296014,928 × 60
112 M2,2396021,928 × 60
132 S34,196029,838 × 80
132 MA45,496039,838 × 80
132 MB5,57,596054,738 × 80
160 M7,510,296074,642 × 110
160 L111596010942 × 110
180 L1520,496014948 × 110
200 LA18,525,296018455 × 110
200 LB2229,996021955 × 110
225 M3040,896029860 × 140
250 M3750,396036865 × 140
280 S4561,296044875 × 140
280 M5574,896054775 × 140
315 S7510296074680 × 170
315 MA90122,496089580 × 170

Leistung und Drehmoment: 8-polig (ca. 720 1/min)

BaugrössekWPSca. 1/minNennmoment ca. NmWelle D × E mm
71 A0,090,127201,1914 × 30
71 B0,120,167201,5914 × 30
80 A0,180,247202,3919 × 40
80 B0,250,347203,3219 × 40
90 S0,370,507204,9124 × 50
90 L0,550,757207,3024 × 50
100 LA0,751,027209,9528 × 60
100 LB1,11,572014,628 × 60
112 M1,5272019,928 × 60
132 S2,2372029,238 × 80
132 M34,172039,838 × 80
160 MA45,472053,142 × 110
160 MB5,57,572073,042 × 110
160 L7,510,272099,542 × 110
180 L111572014648 × 110
200 L1520,472019955 × 110
225 S18,525,272024560 × 140
225 M2229,972029260 × 140
250 M3040,872039865 × 140
280 S3750,372049175 × 140
280 M4561,272059775 × 140
315 S5574,872073080 × 170
315 MA7510272099580 × 170

Leistungszuordnung nach Norm (EN 50347). Das Nennmoment ist mit der typischen Nenndrehzahl gerechnet und daher ein Richtwert; der genaue Wert steht auf dem Typenschild. Das Anlaufmoment ist meist 2- bis 3-mal grösser als das Nennmoment.

Stern oder Dreieck?

TypenschildAm Netz 400 V schalten inHinweis
230 / 400 VStern (Y)Übliche kleine Motoren bis ca. 3 bis 4 kW
400 / 690 VDreieck (Δ)Grössere Motoren; Stern-Dreieck-Anlauf möglich
Stern-Dreieck-AnlaufAnlauf in Stern, dann DreieckNur bei Motoren 400 / 690 V. Anlaufstrom und -moment ca. 1/3

Drehrichtung ändern: zwei der drei Aussenleiter (L1, L2, L3) tauschen. Arbeiten am Klemmenkasten nur spannungsfrei und durch Fachpersonal. Motor-Nennströme siehe Kapitel Elektro.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 20

Spanntechnik und Schneidstoffe

Schneidstoffe: ISO-Anwendungsgruppen

GruppeFarbeWerkstoff
PBlauStahl, Stahlguss
MGelbRostfreier Stahl
KRotGrauguss, Sphäroguss
NGrünAluminium, Kupfer, Messing, Kunststoffe
SBraunTitan, Nickel-Legierungen, hitzebeständige Stähle
HGrauGehärteter Stahl, Hartguss

Zusatzzahl: klein (z. B. P10) = verschleissfest, für hohe Schnittgeschwindigkeit; gross (z. B. P40) = zäh, für unterbrochene Schnitte.

Wendeschneidplatten lesen (ISO 1832), Beispiel CNMG 12 04 08

StelleBeispielBedeutung
1CPlattenform: C = Rhombus 80°, D = Rhombus 55°, S = Quadrat, T = Dreieck, V = Rhombus 35°, W = Trigon, R = rund
2NFreiwinkel: N = 0° (negativ), B = 5°, C = 7°, P = 11°
3MToleranzklasse der Platte
4GBefestigung und Spanbrecher: G = Loch, Spanbrecher beidseitig; M = Loch, einseitig; T = Senkloch; A = Loch ohne Spanbrecher
512Schneidenlänge in mm
604Plattendicke in mm
708Eckenradius: 04 = 0,4 mm, 08 = 0,8 mm, 12 = 1,2 mm

Spannzylinder und Spannkraft

GrösseFormel / Hinweis
Spannkraft ZylinderF [daN] = p [bar] × A [cm²] × η (η ≈ 0,9)
Zugseite (Ringfläche)A = (D² − d²) × π / 400, D = Kolben, d = Kolbenstange in mm
SpannfutterSpannkraft nimmt mit der Drehzahl ab (Fliehkraft). Höchstdrehzahl des Futters nie überschreiten
KontrolleSpannkraft regelmässig mit Spannkraftmesser prüfen, Futter schmieren

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 21

Spindelnasen und Futterflansche (Drehmaschinen)

Welchen Spindelkopf hat die Drehmaschine? Das muss man wissen, bevor man ein Futter, einen Futterflansch oder eine Planscheibe bestellt. Hier stehen alle üblichen Arten mit den Massen. Am Schluss hilft ein Rechner, die Grösse aus den gemessenen Werten zu finden.

Welche Arten gibt es?

ArtNormKegelSo wird das Futter befestigt
Kurzkegel Form A (A1 / A2)DIN 55026, ISO 702-1 (früher DIN 55021, «ASA»)1:4Schrauben von vorne durch das Futter in den Spindelflansch. A2 = ein Lochkreis, A1 = zusätzlich ein innerer Lochkreis
BajonettDIN 55027, ISO 702-31:4Stiftschrauben mit Muttern am Futter, hinten am Spindelflansch ein drehbarer Ring mit Langlöchern. Einstecken, Ring drehen, Muttern anziehen
Camlock D1DIN 55029, ISO 702-21:4Bolzen im Futter, in der Spindel Exzenter (Nocken). Mit dem Vierkant- bzw. Sechskantschlüssel drehen, bis die Markierung stimmt
Langkegel Typ LAmerican Long-Nose Taper (ASA B5.9)3,5" pro FussFutter auf den langen Kegel mit Passfeder, dann grosse Überwurfmutter mit dem Hakenschlüssel anziehen
Gewindespindel (alt)verschieden, oft Zollkein KegelFutter direkt auf das Spindelgewinde geschraubt. Achtung: kann sich beim Bremsen oder im Linkslauf lösen
Wichtig zu wissen: Alle Kurzkegel (DIN 55021, 55026, 55027 und 55029) haben den gleichen Kegel 1:4 und pro Grösse den gleichen Kegel-Ø. Sie unterscheiden sich nur in der Befestigung. Die Grösse (3, 4, 5, 6, 8, 11 …) ist ungefähr der Kegel-Ø in Zoll.
Kurzkegel 1:4 von der Seite grün = Lochkreis rot = D, Kegel-Ø an der Planfläche Kegel 1:4 (Halbwinkel 7°7'30") Futter sitzt aufKegel + PlanflächeForm A (DIN 55026)Schrauben von vorneBajonett (DIN 55027)Ring mit LanglöchernCamlock (DIN 55029)Exzenter mit Vierkantrot = Exzenter am Spindelumfang

Die Zapfen: Schrauben, Stiftschrauben und Camlock-Bolzen

So sehen die Befestigungen im Schnitt aus (nach den WIAP-Skizzen im Blatt Wi_8_f_19_m30). Links ist immer die Spindel, rechts das Futter.

Form A (DIN 55026)= nur Schrauben von vorneBajonett (DIN 55027)= Zapfen + Drehring hintenCamlock (DIN 55029)= Zapfen + Querschraube (Exzenter)Zylinderschraube (Innensechskant)Stiftschraube mit Mutter und BundCamlock-Bolzen mit KerbeMitte SpindelSpindelFutterSchraube von vorne durch dasFutter in den SpindelflanschMitte SpindelSpindelFutter↑ DrehringZapfen im Futter, Drehring hintenam Spindelflansch. Ring drehen, festziehenMitte SpindelSpindelFutterVierkantSicherungQuerschraube (Exzenter) in derSpindel greift in die Kerbe vom Zapfengelb = Zapfen, Bolzen, Schraube
Der Unterschied in einem Satz:
• Form A: nur Schrauben, von vorne durch das Futter. Sie sitzen auf dem gleichen Lochkreis, wo beim Camlock die Zapfen hineingehen.
• Bajonett: Zapfen im Futter + Drehring hinten am Spindelflansch.
• Camlock: Zapfen im Futter + Querschraube (Exzenter) in der Spindel, die in die Kerbe vom Zapfen greift.
ArtZapfen / SchraubeWorauf achten
Form AZylinderschrauben (Innensechskant), Gewinde im Spindelflansch: Grösse 5 M10, 6 M12, 8 M16, 11 M20, 15 und 20 M24, 28 M30Nur hochfeste Schrauben in der Festigkeit, die der Futterhersteller vorgibt. Über Kreuz anziehen, Anzugsmoment nach Futterhersteller
BajonettStiftschrauben mit Mutter, fest im Futter eingeschraubt. Hinten am Spindelflansch ein drehbarer Bajonettring mit LanglöchernFutter aufsetzen, Ring drehen, bis die Zapfen gehalten sind, dann über Kreuz festziehen. Stiftschrauben müssen gleich weit herausstehen
CamlockCamlock-Bolzen mit Kerbe, im Futter eingeschraubt und mit einer Sicherungsschraube gehalten. In der Spindel Exzenter (Nocken) mit VierkantExzenter mit dem Vierkantschlüssel drehen. Die Markierung am Exzenter muss im geschlossenen Zustand zwischen den zwei Marken an der Spindel stehen. Steht sie ausserhalb, Bolzen nachstellen (Sicherungsschraube lösen, Bolzen eine Umdrehung rein oder raus). Bolzen nicht zwischen Futtern tauschen
Langkegel LKeine Zapfen: Passfeder auf dem Kegel und grosse ÜberwurfmutterKegel und Mutter sauber, Mutter mit dem Hakenschlüssel fest anziehen

Kurzkegel 1:4: Masse pro Grösse

GrösseD Kegel-Ø mm
(an der Planfläche)
Lochkreis mm
(A2, Bajonett, Camlock)
innerer Lochkreis A1 mmSchraube Form AAnzahl BajonettAnzahl Camlock
353,97570,6––33
463,51382,6––33
582,563104,861,5 ⚠M1046
6106,375133,482,6M1246
8139,719171,4111,1M1646
11196,869235,0165,1M2066
15285,775330,2247,6M24–6
20412,775463,6368,3M24–6
28584,225647,7–M30––

Toleranz von D: Kleinstmass wie in der Tabelle, Grösstmass etwa 0,013 bis 0,027 mm grösser. Bei Grösse 3 und 4 sind die Lochkreise nur für Bajonett und Camlock genormt. Die Anzahl Schrauben bei Form A hängt vom Futter ab (meist 3, 4 oder 6): am Futter zählen. Gelb mit ⚠ = noch zu klären.

Achtung bei alten Unterlagen: In alten Tabellen und Katalogen sind bei den Grössen 8, 15 und 20 oft der äussere und der innere Lochkreis vermischt (z. B. 368,3 mm bei Grösse 20: Das ist der innere Lochkreis A1, der äussere ist 463,6 mm). Darum immer beide Lochkreise am Teil nachmessen.

Langkegel Typ L (American Long-Nose Taper)

Der Langkegel L00 bis L3 war vor der Camlock-Zeit an vielen amerikanischen und europäischen Drehmaschinen. Er hat einen langen Kegel mit Passfeder und eine grosse Überwurfmutter mit Zollgewinde. Unsere eigene Werkstattmaschine, eine Angelini AVM 165, hat laut Betriebsanleitung die Spindelnase L00 (auf Wunsch gab es sie auch mit Camlock).

Langkegel Typ L von der Seite C = Kegellänge gelb = Passfeder (Keil) auf dem Kegel grau = Überwurfmutter mit Zollgewinde (A), wird mit dem Hakenschlüssel angezogen rot = B, grösster Kegel-Ø Kegel 3,5 Zoll pro Fuss (Halbwinkel 8°17'50")
GrösseB grösster Kegel-Ø mmA Mutter-Gewinde (UNS)Gewinde-Ø / Steigung mmC Kegellänge mmMutterfläche bis Flanschfläche mmPassfeder Breite mmPassfeder Länge mmPassfeder Höhe F mm
L0069,8503 3/4" – 6 Gg95,25 / 4,2350,8014,3 / 16,7 ⚠9,5338,134,80
L082,5504 1/2" – 6 Gg114,30 / 4,2360,3315,9 / 17,5 ⚠9,5344,4541,15
L1104,7756" – 6 Gg152,40 / 4,2373,0319,115,8860,3252,26
L2133,3507 3/4" – 5 Gg196,85 / 5,0885,7325,419,0573,266,55
L3165,10010 3/8" – 4 Gg263,53 / 6,35 ⚠98,4328,6 / 27,0 ⚠25,4082,5582,42

Kegel 3,5 Zoll pro Fuss, das heisst Kegelwinkel 16°35'40", Halbwinkel 8°17'50". Gg = Gänge pro Zoll. ⚠ Mutterfläche bis Flanschfläche: In den WIAP-Unterlagen und in anderen Quellen stehen bei L00, L0 und L3 zwei verschiedene Werte, noch zu klären. ⚠ L3: 10 3/8 Zoll = 263,53 mm (im alten WIAP-Blatt stand 259,5).

Warnung: Einige europäische Hersteller haben nur den Kegel vom Typ L übernommen. Das Gewinde der Mutter und manchmal auch die Passfeder sind metrisch. Beispiel: Bei einer Maschine von Meuser mit L0 soll die Mutter M115 × 3 haben statt normal 114,3 mm mit 4,23 mm Steigung (4 1/2" – 6 Gg). Darum immer Gewinde-Ø, Steigung, Kegellänge und Passfeder messen, bevor man bestellt.

Erkennen und messen in 4 Schritten

SchrittWas tun
1. Befestigung anschauenSchrauben von vorne durch das Futter → Form A. Drehbarer Ring hinten am Spindelflansch → Bajonett. Vierkant-Löcher am Spindelumfang → Camlock. Grosse Ringmutter mit Nuten und Passfeder → Langkegel L. Gewinde auf der Spindel → Gewindespindel
2. Kegel-Ø messenAm grossen Ende des Kegels, direkt an der Planfläche. Wenn man weiter vorne misst, ist der Wert kleiner: Bei Kegel 1:4 wird der Ø pro 4 mm Länge 1 mm kleiner
3. Lochkreis messenBei gerader Anzahl Löcher: Mitte bis Mitte von zwei gegenüberliegenden Löchern = Lochkreis. Sonst den Abstand von zwei Nachbarlöchern messen und den Rechner unten nehmen
4. Schrauben und GewindeAnzahl Schrauben oder Bolzen zählen, Gewinde messen (metrisch oder Zoll?)

Spindelnasen-Finder

Gemessenen Kegel-Ø eingeben. Wenn möglich auch die Anzahl Löcher und den Abstand von zwei Nachbarlöchern (Mitte bis Mitte), dann rechnet der Finder den Lochkreis aus.

Formel Lochkreis: LK = Abstand ÷ sin(180° ÷ Anzahl Löcher). Bei 3 Löchern: Abstand ÷ 0,866, bei 4 Löchern: Abstand × 1,414, bei 6 Löchern: Abstand × 2.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 22

Zentrierbohrungen

Zentrierbohrungen nach ISO 6411 / DIN 332-1, Senkwinkel 60°.

Bohrungs-Ø d mmForm A: Senk-Ø mmForm B: Schutzsenkung-Ø mm
12,123,15
1,252,654
1,63,355
24,256,3
2,55,38
3,156,710
48,512,5
510,616
6,313,218
81722,4
1021,228
FormBeschreibung
A60°-Senkung ohne Schutzsenkung, Standard
B60°-Senkung mit 120°-Schutzsenkung, schützt die Zentrierung vor Beschädigung
RGewölbte Laufbahn, bessere Lage auf der Spitze, für genaue Teile

Zeichnungsangabe z. B. «ISO 6411-A2,5/5,3». Zentrierbohrer vor dem Bohren genau auf Mitte setzen, mit hoher Drehzahl und kleinem Vorschub arbeiten.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 23

Drehwerkzeuge

Die richtige Wendeschneidplatte und ein stabil gespannter Drehmeissel entscheiden über Oberfläche, Massgenauigkeit und Standzeit.

Merksatz: Kurz und stabil spannen, Schneide genau auf Drehmitte, und die Platte passend zur Arbeit wählen: grosser Eckenwinkel und Radius zum Schruppen, spitze Platte und kleiner Radius zum Schlichten und Kopieren.

Wendeplattenformen

RrundS90°C80°W80° TrigonT60°D55°V35°
◄ stabiler, für Schruppenspitzer, besser zugänglich, für Kopieren ►
FormEckenwinkelEigenschaftenTypische Arbeit
RrundStabilste Schneide, viele Schneiden-StellenKopierdrehen, Schruppen, schwer zerspanbare Werkstoffe
S90°Sehr stabil, 4 Ecken (negativ 8)Schruppen, Fasen unter 45°
C80°Stabil und vielseitigLängs- und Plandrehen, Schruppen und Schlichten
W80° (Trigon)Stabil, 3 Ecken (negativ 6)Längs- und Plandrehen, gute Allround-Platte
T60°Viele Ecken, gut zugänglichAllgemeines Drehen, Gewinde-ähnliche Profile
D55°Spitzer, gut zugänglichKopierdrehen, Konturen
V35°Sehr spitz, empfindlichFeines Kopierdrehen, Hinterdrehungen, Profile

So sitzen die Platten im Halter: die Freistellwinkel

80° 5° 5° C Platte 80° · Halter 95° Längs + Plan 60° 3° 27° T Platte 60° · Halter 93° Längs + Plan 55° 3° 32° D Platte 55° · Halter 93° Kopieren 35° 3° 52° V Platte 35° · Halter 93° Feines Kopieren
– – – Planfläche (Stirnseite)– – – Drehfläche (Durchmesser)Ansicht von oben, Spitze nach unten wie bei einer Schrägbettmaschine
Was zeigen die kleinen Winkel? Die Schneiden dürfen weder an der Planfläche noch an der fertigen Drehfläche reiben. Darum stehen sie um einen kleinen Winkel frei:
• C-Platte (80°) im 95°-Halter: 5° zur Planfläche und 5° zur Drehfläche. Ideal für Längs- und Plandrehen bis in die Ecke.
• T-, D- und V-Platte im 93°-Halter: 3° zur Planfläche und je nach Platte 27°, 32° oder 52° zur Drehfläche. Je spitzer die Platte, desto mehr Platz zum Kopieren und Hinterdrehen.
BegriffWoBedeutung
FreistellwinkelAnsicht von oben (Zeichnung oben)Abstand der Schneiden zur Plan- und Drehfläche, damit nichts reibt. Ergibt sich aus Halter-Einstellwinkel und Plattenform
FreiwinkelAnsicht von der Seite (unter der Schneide)Ist im 2. Buchstaben der Platte: N = 0° (negativ), B = 5°, C = 7°, P = 11°. Eine negative Platte bekommt ihren Freiwinkel erst durch das Neigen im Halter (ca. 6°)
EinstellwinkelAnsicht von obenWinkel der Hauptschneide zur Vorschubrichtung, im Halter festgelegt (z. B. L = 95°, J = 93°)

Bezeichnung lesen (ISO 1832) mit 4 Beispielen

StelleBedeutungCNMM 120408DNMG 150408VBMT 160402TNMG 160412
1PlattenformC = 80°D = 55°V = 35°T = 60°
2FreiwinkelN = 0° (negativ)N = 0° (negativ)B = 5° (positiv)N = 0° (negativ)
3ToleranzklasseMMMM
4Loch und SpanbrecherM = Loch, Spanbrecher einseitigG = Loch, Spanbrecher beidseitigT = Senkloch, Spanbrecher einseitigG = Loch, Spanbrecher beidseitig
5Schneidenlänge mm12151616
6Plattendicke mm04 = 4,7604 = 4,7604 = 4,7604 = 4,76
7Eckenradius mm08 = 0,808 = 0,802 = 0,212 = 1,2

Nach den 7 Stellen folgt oft ein Hersteller-Zeichen für den Spanbrecher (z. B. -PM, -MF). Die Dicke «04» bedeutet 4,76 mm (3/16 Zoll). Weitere Erklärungen siehe Kapitel «Spanntechnik und Schneidstoffe».

Negative oder positive Platte?

Negativ (Freiwinkel N = 0°)Positiv (Freiwinkel B, C, P)
SchneideSehr stabil, auf beiden Seiten nutzbar (doppelt so viele Ecken)Scharf, leichter Schnitt, nur eine Seite nutzbar
SchnittkraftHöherKleiner
Gut fürSchruppen, grosse Spantiefen, stabile MaschinenSchlichten, schlanke Teile, Innendrehen, kleine Maschinen

Eckenradius und Oberfläche

Die Rautiefe hängt vor allem vom Vorschub f und vom Eckenradius r ab: Rt ≈ f² / (8 × r). Doppelter Vorschub ergibt die vierfache Rautiefe!

Vorschub f mm/Ur = 0,4r = 0,8r = 1,2r = 1,6
0,13,11,61,00,8
0,157,03,52,31,8
0,2136,34,23,1
0,25209,86,54,9
0,328149,47,0
0,450251713

Werte: theoretische Rautiefe Rt in µm. Ra ist etwa Rt / 4. Faustregel: Vorschub höchstens ca. die Hälfte des Eckenradius (Schlichten) bzw. bis zum Eckenradius (Schruppen). Kleiner Radius gibt weniger Vibrationen bei schlanken Teilen.

Drehmeissel-Halter lesen (ISO 5608), Beispiel PCLNR 2525 M12

TeilBeispielBedeutung
KlemmungPHebelklemmung über das Loch (weitere: C = Klemmfinger oben, M = Finger und Loch, S = Schraube)
PlattenformCFür Platte C (80°)
EinstellwinkelL95°, Längs- und Plandrehen (weitere: J = 93°, K = 75°, S = 45°)
Freiwinkel PlatteNFür negative Platte
AusführungRRechts (L = links, N = neutral)
Schaft2525Schafthöhe 25 mm × Schaftbreite 25 mm
LängeM150 mm
Schneidenlänge12Passend für Platte CNMG 12…

Schneide auf Drehmitte

Die Schneidenspitze muss genau auf der Drehmitte stehen (Toleranz ca. ± 0,1 mm).

Schneide zu hochSchneide zu tief
Freifläche reibt, Wärme, Verschleiss, schlechte OberflächeBeim Plandrehen bleibt in der Mitte ein Zapfen stehen, Platte kann brechen

Prüfen: Mit der Reitstockspitze vergleichen oder eine Plan-Probe drehen; bleibt in der Mitte ein Zapfen stehen, steht die Schneide zu tief. Unterlagen nur aus geschliffenem Stahl, nie mehrere dünne Bleche.

Bohrstangen und Innendrehen: wie weit darf man auskragen?

Merksatz: Die Auskraglänge wird in «× Bohrstangen-Durchmesser (BD)» angegeben. Immer die dickste mögliche Bohrstange und die kürzeste mögliche Auskragung wählen.
BohrstangeMax. Auskragung ca.
Massive Stahlbohrstangebis 4 × BD
Hartmetall-Bohrstangebis 6 × BD
Stahl, schwingungsgedämpft, kurz4 bis 7 × BD
Stahl, schwingungsgedämpft, lang7 bis 10 × BD
Hartmetallverstärkt, schwingungsgedämpft10 bis 14 × BD

Beispiel: Bohrstange Ø 32 mm aus Stahl: höchstens ca. 4 × 32 = 128 mm herausstehen lassen. Für Innendrehen positive Platten mit kleinem Eckenradius wählen und das Kühlmittel durch die Bohrstange führen, damit die Späne herauskommen.

Probleme beim Drehen und was hilft

ProblemMögliche UrsacheWas tun
Vibrationen, RatternZu lange Auskragung, zu grosser Eckenradius, zu kleiner VorschubKürzer spannen, kleineren Radius, positive Platte, Vorschub etwas erhöhen, Drehzahl ändern
Schlechte OberflächeZu grosser Vorschub, verschlissene Ecke, AufbauschneideVorschub senken oder Radius vergrössern, Ecke wechseln, Schnittgeschwindigkeit erhöhen
Aufbauschneide (Material klebt an der Schneide)Schnittgeschwindigkeit zu tief, Werkstoff klebt (Alu, rostfrei)Schnittgeschwindigkeit erhöhen, scharfe positive Platte, Kühlschmierung
Lange WirrspäneFalscher Spanbrecher, zu kleiner Vorschub oder SpantiefeSpanbrecher passend wählen, Vorschub oder Spantiefe erhöhen
Schneide brichtZu grosser Vorschub, unterbrochener Schnitt, Schneide zu tiefZähere Sorte, stabilere Plattenform, Vorschub senken, Spitzenhöhe prüfen
Schneller VerschleissSchnittgeschwindigkeit zu hoch, falsche SorteSchnittgeschwindigkeit senken, passende ISO-Gruppe wählen (P, M, K, N, S, H)

Schnittgeschwindigkeiten und Drehzahlrechner siehe Kapitel Zerspanung.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 24

Fräswerkzeuge

Ein einfacher Überblick über die wichtigsten Fräswerkzeuge. Weitere Unterkapitel folgen.

Merksatz: Fräser so kurz wie möglich spannen und auf guten Rundlauf achten.
Auf CNC-Maschinen meist im Gleichlauf fräsen, auf alten Maschinen mit Spiel in der Spindel im Gegenlauf.
Für Aluminium wenige Schneiden (viel Platz für Späne), für Stahl mehr Schneiden.

Die wichtigsten Fräser

Schaftfräsergerade Stirn, scharfe Ecke TorusfräserStirn mit Eckenradius Kugelfräserhalbrunde Stirn Planfräsermit Wendeplatten SchaftSchneiden(Wendel)
FräserWofür
Schaftfräser 2 SchneidenNuten, Taschen, Eintauchen (über Mitte schneidend), Aluminium
Schaftfräser 3 bis 4 SchneidenSeiten- und Nutenfräsen in Stahl, Schlichten
Schaftfräser 5 bis 6 und mehr SchneidenSchlichten, harte Werkstoffe, hohe Vorschübe
Torusfräser (Eckenradius)Taschen mit Radius im Grund, stabile Ecken, Schruppen
Kugelfräser3D-Formen, Rundungen, Kopierfräsen
Planfräser / MesserkopfGrosse ebene Flächen, mit Wendeplatten; Einstellwinkel 45° (ruhig) oder 90° (bis an die Schulter)
Eckfräser 90°Absätze und Schultern mit Wendeplatten
ScheibenfräserTiefe, schmale Nuten, Schlitze
T-NutenfräserT-Nuten in Maschinentischen
SchwalbenschwanzfräserSchwalbenschwanzführungen
Fasenfräser (z. B. 90°)Fasen und Entgraten
GewindefräserInnen- und Aussengewinde auf CNC (Zirkularfräsen)

Gleichlauf oder Gegenlauf?

Vorschub Gleichlauf Schneide läuft mit dem Vorschub · Span dick → dünn Vorschub Gegenlauf Schneide läuft gegen den Vorschub · Span dünn → dick

Fräser dreht im Uhrzeigersinn (grüner Pfeil). Grau = Werkstück, die tiefere Fläche ist schon gefräst. Gleichlauf: Die Zähne treten oben in das Material ein und laufen nach unten (Span beginnt dick). Gegenlauf: Die Zähne treten unten ein und laufen nach oben (Span beginnt dünn, die Schneide reibt zuerst).

GleichlaufGegenlauf
BewegungSchneide und Vorschub laufen in gleicher RichtungSchneide läuft gegen den Vorschub
SpanBeginnt dick, endet dünnBeginnt dünn, endet dick
VorteileBessere Oberfläche, längere Standzeit, weniger WärmeFunktioniert auch mit Spiel in der Vorschubspindel
WannCNC-Maschinen mit spielfreiem KugelgewindetriebAlte, konventionelle Maschinen mit Trapezspindel; harte Gusshaut

Achtung: Im Gleichlauf auf einer Maschine mit Spiel kann der Fräser das Werkstück oder den Tisch «hineinziehen». Das ist gefährlich und kann den Fräser zerbrechen.

Fräs-Rechner

Formeln

GrösseFormel
Drehzahln [1/min] = vc × 1000 / (π × D)
Vorschubgeschwindigkeitvf [mm/min] = fz × z × n
Vorschub pro Zahnfz [mm] = vf / (z × n)

Richtwerte für Vollhartmetall-Schaftfräser

Werkstoffvc m/minfz bei Ø 6 mmfz bei Ø 10 mmfz bei Ø 16 mmfz bei Ø 20 mm
Baustahl120 bis 1800,030,050,070,08
Vergütungsstahl80 bis 1400,0250,040,060,07
Rostfreier Stahl50 bis 900,020,0350,050,06
Grauguss100 bis 1600,030,050,070,08
Aluminium300 bis 6000,040,070,100,12

Richtwerte für Seitenfräsen mit mittlerer Schnittbreite. Beim Nutenfräsen (volle Breite) Vorschub um ca. 30 % senken. HSS-Fräser: Schnittgeschwindigkeit ca. 1/4 bis 1/3 davon. Die Angaben des Werkzeugherstellers haben Vorrang.

Spannen

AufnahmeEigenschaften
Spannzange (z. B. ER)Vielseitig, guter Rundlauf, für viele Durchmesser
Weldon-AufnahmeSpannschraube auf Spannfläche am Schaft, sehr fest, Fräser kann nicht herausrutschen; Rundlauf mittel
SchrumpffutterSehr guter Rundlauf und Halt, für hohe Drehzahlen; braucht Schrumpfgerät
HydrodehnspannfutterSehr guter Rundlauf, dämpft Vibrationen, gut zum Schlichten

Probleme beim Fräsen und was hilft

ProblemWas tun
Rattern, VibrationenKürzer spannen, Drehzahl ändern, kleinere Schnittbreite, Fräser mit ungleicher Teilung
Fräser brichtVorschub pro Zahn senken, Späne besser abführen (Luft, Kühlmittel), Gegenlauf auf alten Maschinen
Späne verstopfen (Alu)Weniger Schneiden, polierte Spannuten, viel Kühlmittel oder Luft
Schlechte OberflächeGleichlauf, schärfere Schneide, Rundlauf prüfen, Schlichtzugabe klein und gleichmässig

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 25

Zerspanung

Drehzahlrechner

Formeln

GrösseFormel
Schnittgeschwindigkeitvc [m/min] = π × d [mm] × n [1/min] / 1000
Drehzahln [1/min] = vc × 1000 / (π × d)
Vorschubgeschwindigkeitvf [mm/min] = f [mm/U] × n (Fräsen: fz × Zähne × n)
SchnittkraftFc [N] = ap [mm] × f [mm] × kc [N/mm²]
SchnittleistungPc [kW] = Fc [N] × vc [m/min] / 60 000  (kW × 1,36 = PS)
MotorleistungP = Pc / η, η ≈ 0,7 bis 0,85

Schnittgeschwindigkeit Drehen (Richtwerte m/min)

WerkstoffHartmetall beschichtetHSS
Baustahl (S235, S355)180 bis 30025 bis 35
Vergütungsstahl (C45, 42CrMo4)150 bis 25020 bis 30
Rostfreier Stahl120 bis 20010 bis 20
Grauguss150 bis 30015 bis 25
Aluminium300 bis 100060 bis 150
Messing200 bis 40050 bis 100

Spezifische Schnittkraft (Richtwerte)

Werkstoffkc1.1 N/mm²mckc bei h = 0,2 mm, ca. N/mm²
S235JR (St 37)17800,172340
C4522200,142780
42CrMo425000,263800
16MnCr521000,263190
Rostfreier Stahl (1.4301)23500,213290
Grauguss GG 2511600,261760
Messing7800,181040
Aluminium7000,251050

kc = kc1.1 / h^mc, h = Spanungsdicke (beim Drehen ≈ Vorschub f). Die Werte sind Richtwerte; die Angaben des Werkzeugherstellers haben Vorrang.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 26

MEMV® und VSR: Metallentspannen mit Vibration

MEMV® (Metallentspannen mit Vibration) ist das Verfahren der WIAP zum Abbau von Eigenspannungen in Bauteilen durch gezielte Schwingungen. Es ist die Weiterentwicklung des bekannten VSR-Verfahrens (Vibratory Stress Relief). Weitere Informationen: WIAP MEMV.

Merksatz: Eigenspannungen entstehen beim Schweissen, Giessen, Brennschneiden und Zerspanen. Werden sie nicht abgebaut, verzieht sich das Bauteil später – oft erst nach der Bearbeitung.
Beim Vibrationsentspannen wird das Bauteil mit einem Unwuchtmotor (Anreger) in Schwingung versetzt. Dadurch können sich Spannungen abbauen bzw. lösen.

VSR und MEMV: der Unterschied

VSR (bisherige Anlagen)WIAP MEMV®
AnregungsrichtungMeist eine Richtung, manuellMit manueller Drehplatte bis 4 Richtungen, als Vollautomat 4 oder 8 Richtungen
MessungManuelle BeurteilungAutomatische Erfassung von G-Wert, Ampere und Drehzahl, vor und nach der Behandlung, pro Richtung
DokumentationVon HandAutomatisches Protokoll mit Vorher-Nachher-Vergleich

Warum mehrere Richtungen? Die physikalische Erklärung

Jedes Bauteil hat seine eigenen Eigenschwingformen – ähnlich wie eine Gitarrensaite oder eine Glocke ihre Töne hat. Eine Platte kann zum Beispiel der Länge nach durchbiegen, der Breite nach durchbiegen oder sich verdrehen (Torsion). Jede Schwingform hat Zonen, in denen das Material stark hin und her gedehnt wird, und Zonen, in denen fast nichts passiert (Schwingungsknoten).

Das Prinzip in drei Sätzen:
1. Die Anregungsrichtung bestimmt, welche Schwingformen angeregt werden – eine Kraft in Längsrichtung regt andere Formen an als eine Kraft quer oder schräg.
2. Spannungen können sich vor allem dort abbauen, wo die Wechselbeanspruchung aus der Schwingung zusammen mit der vorhandenen Eigenspannung lokal genügend gross wird, sodass sich das Gefüge im kleinen Bereich «setzen» kann.
3. Andere Richtung = andere Schwingform = andere Zonen. Darum erreicht MEMV mit 4 oder 8 Richtungen mehr Bereiche im Bauteil als eine Anregung aus nur einer Richtung.
1: 0° 3: 90° 2: 45° 4: 135° Alle Richtungenmehr Zonen erreicht

Vereinfachte Darstellung: Die farbigen Flächen sind Zonen mit hoher Wechselbeanspruchung bei der jeweiligen Anregungsrichtung (Pfeil). Die tatsächliche Verteilung hängt von Form, Grösse, Einspannung und Drehzahl ab.

Automat mit 8 Richtungen: Die 4 Zusatzrichtungen liegen genau zwischen den Grundrichtungen. Sie regen weitere Mischformen an und erreichen so die Bereiche zwischen den Zonen der Richtungen 0°, 45°, 90° und 135°.

8: 22,5°7: 67,5°6: 112,5°5: 157,5° Alle 8 RichtungenLücken gefüllt

Vereinfachte Darstellung wie oben. Je mehr Richtungen, desto gleichmässiger wird das Bauteil erfasst – darum erzielt der Automat mit 8 Richtungen noch bessere Resultate.

AnregungTypische Schwingform (vereinfacht)Wo stark beansprucht
Längs (0°)Biegung über die LängeQuerbänder über die Breite
Quer (90°)Biegung über die BreiteLängsbänder entlang der Länge
Schräg 45°Verdrehung (Torsion) und MischformenEcken oben links und unten rechts, Mitte
Schräg 135° (Gegen-Diagonale zu 45°)Verdrehung in die andere RichtungEcken oben rechts und unten links, Mitte
Zwischenrichtungen (22,5°, 67,5°, 112,5°, 157,5°)Weitere MischformenBereiche zwischen den obigen Zonen

Warum zeigen das die Messwerte? Löst sich in einer Richtung Spannung, verändert sich das Schwingverhalten des Bauteils in genau dieser Richtung: Es lässt sich leichter anregen. Darum wird für jede Richtung einzeln vorher und nachher gemessen – die Verschiebung von G-Wert, Ampere und Drehzahl zeigt, wo sich etwas verändert hat.

Vereinfachte Modellvorstellung zur Erklärung. Wie stark Spannungen abgebaut werden, hängt von Werkstoff, Bauteilform, Eigenspannungszustand und Behandlungsparametern ab.

Die drei Messwerte und was sie bedeuten

MesswertWas wird gemessenVeränderung während der Behandlung
G-WertBeschleunigungsamplitude der Schwingung am Bauteil (in g)G-Wert steigt → die Übertragung der Schwingung auf das Bauteil verändert sich, Spannungen haben sich gelöst
AmpereStromaufnahme des Anregermotors (Motorleistung)Ampere sinkt → der Anreger wird durch das Bauteil weniger belastet
DrehzahlDrehzahl des Unwuchtmotors (Anreger)Drehzahl steigt → die Bauteilverspannung bremst den Anreger weniger stark

WIAP-Praxis: so läuft eine MEMV-Behandlung

Das Bauteil wird nacheinander aus mehreren Richtungen angeregt. Dazu dreht man den Anreger auf dem Drehring in die nächste Stellung – beginnend links und immer im Uhrzeigersinn.

Der Schlüssel zu einer guten MEMV-Entspannung: die Befestigung des Anregers!
Nur wenn der Anreger sehr fest mit dem Bauteil verbunden ist, wird die Schwingung voll ins Bauteil übertragen. Sitzt er zu locker, kann er auf dem Bauteil arbeiten, «springen» oder Schläge machen – die Energie geht verloren und die Resultate werden schlecht.
• WIAP-Praxis: in der Regel mit 4 Gewindestangen M24, jede mit ca. 17 Tonnen Klemmkraft – zusammen also rund 68 Tonnen, die den Anreger auf das Bauteil drücken. Beim V50 und grösser mit 4 × M36.
• Schrauben immer fetten (geschmiert) und mit hohem Anziehdrehmoment anziehen – es braucht Kraft! Werte siehe Anziehdrehmomente, Tabelle «geschmiert».
• Nach den ersten Minuten und vor jeder neuen Richtung die Schrauben kontrollieren und nachziehen.
Handdrehring: 4 Richtungen10°245°390°4135°Anreger / DrehringStartlange SeiteAutomat: 8 Richtungen10°245°390°4135°5157,5°6112,5°767,5°822,5°Anreger / DrehringStartlange Seitenach 5 zurück (CCW)

Start ist links (Richtung 1), gedreht wird immer im Uhrzeigersinn (roter Pfeil). Beim Automaten geht es nach Richtung 5 mit den Richtungen 6, 7 und 8 wieder zurück (blauer Pfeil, CCW) und füllt die Lücken dazwischen. Die Zahl im Kreis ist die Reihenfolge. Grün = die 4 Grundrichtungen, blau = die 4 Zusatzrichtungen beim Automaten. 180° ist die gleiche Schwingungsachse wie 0°, darum genügt ein halber Kreis.

Wichtig für die Auswertung: Richtung 1 (0°) zeigt immer zur langen Seite der Aufspannplatte, und es wird immer im Uhrzeigersinn weitergedreht. So bedeuten die Richtungen in jedem Protokoll das Gleiche, und die Protokolle verschiedener Bauteile und Behandlungen lassen sich später gut vergleichen und auswerten.
ReihenfolgeHanddrehringDrehenAutomatischer DrehringDrehen
10°Start0° (lange Seite)Start
245°↻ CW45°↻ CW
390°↻ CW90°↻ CW
4135°↻ CW135°↻ CW
5–157,5° (22,5° weniger als 180°)↻ CW
6–112,5° (22,5° mehr als 90°)↺ CCW
7–67,5° (22,5° weniger als 90°)↺ CCW
8–22,5° – dann ist die Behandlung fertig↺ CCW

CW (clockwise) = im Uhrzeigersinn ↻ · CCW (counter clockwise) = gegen den Uhrzeigersinn ↺. Beim Automaten wird bis Richtung 5 im Uhrzeigersinn gedreht, danach geht es mit 6, 7 und 8 zurück und füllt die Lücken.

Messablauf pro Richtung

Drehzahl einstellen 10 s Messung «vorher»Drehzahl · Ampere · G-Wert Behandlung (Vibration) Messung «nachher»Drehzahl · Ampere · G-Wert 10 s Stopp
So misst das System – in jeder Richtung gleich:
1. Anreger einschalten und die Drehzahl einregulieren.
2. 10 Sekunden nachdem nicht mehr an der Drehzahl reguliert wird, misst das System automatisch die Werte «vorher»: Drehzahl, Ampere und G-Wert.
3. Behandlung läuft.
4. 10 Sekunden vor dem Abstellen misst das System nochmals: Werte «nachher».
5. Die Werte werden gespeichert. Die Differenz nachher − vorher ist die Verschiebung dieser Richtung.
6. Drehring im Uhrzeigersinn in die nächste Richtung drehen und wiederholen.
Beispiel-Protokoll (eine Richtung)vorhernachherVerschiebungBedeutung
Drehzahl 1/min……steigtAnreger wird weniger gebremst
Ampere A……sinktAnreger wird weniger belastet
G-Wert (g bzw. m/s²)……steigtSchwingung wird besser übertragen, Spannungen haben sich gelöst

Je grösser die Verschiebungen, desto mehr hat sich im Bauteil verändert. Wenn sich die Werte in einer Richtung kaum mehr verändern, ist das Bauteil in dieser Richtung entspannt.

MEMV-Protokolle lesen

So sind die Protokolle aufgebaut – für die Anlage mit 1 Sonde (Handdrehring) und für den Automaten mit 4 Sonden.

Das Steuergerät zeigt nach der Behandlung ein Protokoll an und speichert es auf dem USB-Stick. Pro Richtung D1, D2, … stehen die Werte V = vorher und N = nachher für Drehzahl, Ampere und Beschleunigung. Rechts im Kasten «Total» rechnet das System die Verschiebungen zusammen.

Beispiel 1: Anzeige «Protokoll 1S» – Handdrehring mit 4 Richtungen (Werte aus der Betriebsanleitung)

SIEMENSSIMATIC HMI
swiss made
wiap.ch
USB
30 Sek. warten nach dem Drücken
WIAP MEMV Protokoll
1S
Bestellung:
Per Mail
Protokoll
löschen
Kunde:
Max Muster
Werkstück / Znr:
Träger 1
Gewicht KG:
 
Material:
 
Exzenter:
50
Drehzahl (RPM):
D1:
D2:
D3:
D4:
D5:
D6:
D7:
D8:
V:5128
N:5149
V:5470
N:5494
V:4790
N:4792
V:5612
N:5622
V:0
N:0
V:0
N:0
V:0
N:0
V:0
N:0
Ampere:
V:+1.481
N:+1.310
V:+1.647
N:+1.503
V:+1.052
N:+1.034
V:+1.637
N:+1.546
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
Beschleunigung:
V:+20.000
N:+24.040
V:+6.100
N:+11.660
V:+24.000
N:+22.700
V:+37.000
N:+34.500
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
V:+0.000
N:+0.000
Total:
Verschiebung Drehzahl:
+57
Verschiebung Ampere:
+0.424
Verschiebung Beschl.:
+13.400
Menü
F1
ZurückReset
F4
Operateur:
hp
Datum:
13.07.2022
So entsteht das Total: Für jede Richtung wird die Veränderung (nachher − vorher) berechnet. Das Total ist die Summe dieser Veränderungen ohne Vorzeichen.
• Drehzahl: 21 + 24 + 2 + 10 = 57
• Ampere: 0,171 + 0,144 + 0,018 + 0,091 = 0,424
• Beschleunigung: 4,04 + 5,56 + 1,30 + 2,50 = 13,4
Je grösser die Totals, desto mehr hat sich im Bauteil verändert.

Lesebeispiel D1: Drehzahl von 5128 auf 5149 gestiegen, Ampere von 1,481 auf 1,310 gesunken, Beschleunigung von 20,0 auf 24,04 m/s² gestiegen – das typische Bild einer erfolgreichen Behandlung in dieser Richtung. In D3 und D4 ist die Beschleunigung leicht gesunken: Nicht jede Richtung verhält sich gleich, darum wird jede einzeln gemessen.

Beispiel 2: Automat mit 4 Sonden, 8 Richtungen – Seite 1: Gesamtprotokoll «Auto»

Beim Automaten messen 4 Sonden (S1 bis S4) gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Bauteils die Beschleunigung. Das Protokoll ist darum anders aufgebaut:

SIEMENSSIMATIC HMI
swiss made
wiap.ch
USB
30 Sek. warten nach dem Drücken
WIAP MEMV Protokoll
Auto
Bestellung:
Per Mail
Protokoll
löschen
Kunde:
Max Muster
Werkstück / Znr:
Träger 1
Gewicht KG:
 
Material:
 
Exzenter:
50
Drehzahl-Verschiebung (RPM Shift):
vorhernachhervorhernachherD1:……D5:……D2:……D6:……D3:……D7:……D4:……D8:……
Shift Total:
…
Ampere-Verschiebung (Ampere Shift):
vorhernachhervorhernachherD1:……D5:……D2:……D6:……D3:……D7:……D4:……D8:……
Shift Total:
…
Total G-Verschiebung in allen Richtungen m/s²:
S1 D1–D8 =…S2 D1–D8 =…S3 D1–D8 =…S4 D1–D8 =…
Shift Total:
…
Menü
F1
ZurückParameterReset
F4
Operateur:
hp
Datum:
13.07.2022
So liest man das Automat-Protokoll:
• RPM Shift und Ampere Shift: vorher und nachher für jede der 8 Richtungen, unten das Total aller Richtungen.
• Total G-Shift: Für jede Sonde wird die G-Verschiebung aller 8 Richtungen zusammengezählt (S1 D1–D8, S2 D1–D8 …). Darunter steht das Gesamttotal aller 4 Sonden.
• So sieht man nicht nur, in welcher Richtung, sondern auch an welcher Stelle des Bauteils (bei welcher Sonde) sich am meisten verändert hat.

Automat, Seite 2: Detail-Protokoll D1 bis D8

Auf der zweiten Seite stehen für jede der 8 Richtungen die Werte V (vorher) und N (nachher) für Drehzahl, Ampere und Beschleunigung – gleich aufgebaut wie das Protokoll mit 1 Sonde (Beispiel 1), aber mit allen 8 Richtungen. Rechts im Kasten «Total» stehen die zusammengezählten Verschiebungen.

SIEMENSSIMATIC HMI
swiss made
wiap.ch
USB
30 Sek. warten nach dem Drücken
WIAP MEMV Protokoll
Detail D1–D8
Bestellung:
Per Mail
Protokoll
löschen
Kunde:
Max Muster
Werkstück / Znr:
Träger 1
Gewicht KG:
 
Material:
 
Exzenter:
50
Drehzahl (RPM):
D1:
D2:
D3:
D4:
D5:
D6:
D7:
D8:
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
Ampere:
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
Beschleunigung:
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
V:…
N:…
Total:
Drehzahl:
…
Ampere:
…
Beschl.:
…
Menü
F1
ZurückReset
F4
Operateur:
hp
Datum:
13.07.2022

Seite 1 (Gesamtprotokoll) zeigt die Übersicht mit der G-Verschiebung pro Sonde, Seite 2 (Detail) zeigt jede Richtung einzeln. Am Steuergerät wechselt man zwischen «Total Protocol» und «D1–D8 Detail».

g oder m/s²? Die Einheiten erklärt

1 g = 9,81 m/s² (die Erdbeschleunigung).
Ein G-Wert von 2 g bedeutet: Das Bauteil wird bei jeder Schwingung doppelt so stark beschleunigt, wie ein Stein beim Fallen. Das sind 2 × 9,81 = 19,6 m/s².
GrösseEinheitBedeutung
Beschleunigung ag oder m/s²Wie stark das Bauteil hin und her «geschüttelt» wird. MEMV zeigt den G-Wert
Schwinggeschwindigkeit vmm/sWie schnell sich ein Punkt bewegt (wird oft bei Maschinenschwingungen verwendet)
Wegamplitude xmm oder µmWie weit sich ein Punkt aus der Ruhelage bewegt (Ausschlag)
Frequenz fHz = Schwingungen pro SekundeBei einem Unwuchtmotor: f = Drehzahl / 60

Formeln (für sinusförmige Schwingung)

GrösseFormel
Frequenzf [Hz] = n [1/min] / 60
Kreisfrequenzω = 2 × π × f
Beschleunigunga [m/s²] = ω² × x [m] = g-Wert × 9,81
Geschwindigkeitv [m/s] = ω × x = a / ω
Wegamplitudex [m] = a / ω²

Wichtig: Bei gleicher Beschleunigung (g-Wert) wird der Ausschlag bei hoher Drehzahl sehr klein. Doppelte Drehzahl → nur noch ein Viertel des Ausschlags.

Schwingungsrechner

Wie gross ist der Ausschlag bei 1 g?

Drehzahl Anreger 1/minFrequenz HzWegamplitude bei 1 g mmGeschwindigkeit bei 1 g mm/s
1500250,39862
200033,30,22447
3000500,09931
400066,70,05623
500083,30,03619
60001000,02516
8000133,30,01412

Für andere g-Werte die Werte einfach multiplizieren, z. B. 3 g = 3-facher Ausschlag.

Anwendungen (Beispiele)

BauteilWarum entspannen
Schweisskonstruktionen, Maschinenbetten, GestelleVerzug nach dem Schweissen und bei der Bearbeitung vermeiden
WalzenRundlauf und Massgenauigkeit erhalten
Platten und Blechplatten (bis zu grossen Gewichten)Planheit nach dem Brennschneiden und Fräsen
Turbinenringe, ImpellerFormtreue bei dünnwandigen Teilen
Fahrzeug-UntergestelleMassgenauigkeit grosser Schweissbaugruppen

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Kapitel 27

Wartung und Pflege von Werkzeugmaschinen

Eine gut gewartete Maschine bleibt genau, fällt seltener aus und hält Jahrzehnte. Die meisten teuren Schäden entstehen durch fehlendes Öl, Schmutz und Späne an den falschen Stellen.

Merksatz: Sauber halten – schmieren – kontrollieren – aufschreiben.
Die Betriebsanleitung und der Schmierplan des Herstellers gehen immer vor. Diese Seite ist eine allgemeine Checkliste.

WIAP-Grundregeln: Pflege einer Werkzeugmaschine

Eine Werkzeugmaschine wird mit höchster Genauigkeit gebaut und mit genauesten Messmitteln geprüft. Diese Genauigkeit bleibt nur erhalten, wenn die Maschine richtig gepflegt wird. Die Betriebsanleitung muss allen Bedienern und Abteilungsleitern bekannt sein – schon vor der Inbetriebnahme.

Nr.RegelWas heisst das?
1Sauber haltenMaschine vor Beginn jeder Arbeitsschicht von Staub und Verunreinigungen säubern.
2Richtig schmierenRegelmässig an den vorgeschriebenen Stellen und mit den vorgeschriebenen Schmiermitteln schmieren.
3Späne entfernenStahl- und Graugussspäne laufend während der Arbeit entfernen. Sie dürfen sich nicht auf den Führungen anhäufen, sonst gelangen sie unter die Gleitflächen und verursachen Rillen und Verschleiss.
4Führungen schützenKeine Werkzeuge auf die Führungsflächen legen. Nie mit den Schuhen auf Führungen treten. Führungen nicht mit verschwitzten Fingern berühren (Rost).
5Keine PressluftDie Maschine niemals mit Pressluft säubern: Sie bläst Späneteilchen zwischen die beweglichen Teile. Das erschwert den leichten Gang, gefährdet die Genauigkeit und verkürzt die Lebensdauer.
6Betriebsanleitung beachtenDie Anweisungen der Betriebsanleitung genau einhalten, besonders beim Schalten der Drehzahlen.
7Tägliche PflichtTägliche Durchsicht, Säuberung und Schmierung sind Grundpflicht jedes Bedieners.
8Nach der SchichtNach jeder Arbeitsschicht sorgfältig aufräumen und die Maschine pflegen – besonders vor Feiertagen und Wochenenden.

Wer diese Regeln einhält, wird mit der Genauigkeit, der Zuverlässigkeit und der Leistung der Maschine zufrieden sein. (Nach dem WIAP-Ausbildungsblatt «Pflege einer Werkzeugmaschine»)

Sicherheit zuerst

WasWarum
Hauptschalter aus und mit Vorhängeschloss sichernNiemand darf die Maschine während der Arbeit einschalten
Hydraulik und Druckluft drucklos machen, Speicher entladenGespeicherter Druck kann Teile plötzlich bewegen
Senkrechte Achsen und schwere Teile abstützenKugelgewindetriebe sind nicht selbsthemmend
Warten, bis Spindel und Teile stillstehen und abgekühlt sindAuslaufende Spindel, heisse Teile
Arbeiten am Schaltschrank nur durch Elektro-FachpersonalLebensgefahr, auch nach dem Ausschalten (Kondensatoren)

Wartungsplan (Richtwerte)

WannWas tun
Täglich
  • Späne entfernen (nicht mit Druckluft in Führungen und Abdeckungen blasen!)
  • Ölstand der Zentralschmierung prüfen
  • Stand Kühlschmierstoff und Hydrauliköl prüfen
  • Kondensat an der Druckluft-Wartungseinheit ablassen
  • Sichtkontrolle: Lecks, Abstreifer, Abdeckungen, ungewohnte Geräusche
Wöchentlich
  • Kühlschmierstoff: Konzentration und pH-Wert messen
  • Spannfutter schmieren (Spezialfett), Backen reinigen
  • Führungsbahnen und Teleskop-Abdeckungen reinigen
  • Not-Halt und Schutztüren auf Funktion prüfen
  • Filtermatten der Schaltschrank-Lüfter prüfen
Monatlich
  • Riemen auf Spannung und Verschleiss prüfen
  • Verschmutzungsanzeige der Hydraulikfilter kontrollieren
  • Spannkraft des Futters messen
  • Alle Schmierstellen nach Schmierplan abschmieren
  • Lüfterfilter wechseln
Halbjährlich
  • Umkehrspiel der Achsen messen und notieren
  • Maschine auf Ausrichtung prüfen (Wasserwaage)
  • Kühlmitteltank reinigen, bei Bedarf Kühlschmierstoff wechseln
  • Ölstand in Getrieben prüfen
Jährlich
  • WIAP-Praxis: alle Abstreifer demontieren, alles putzen und Abstreifer erneuern
  • Hydrauliköl und Filter wechseln (oder nach Ölanalyse, ca. 2000 bis 4000 Betriebsstunden)
  • Getriebeöl wechseln
  • Pufferbatterie der CNC-Steuerung wechseln (vorher Datensicherung!)
  • Elektrische Klemmen nachziehen lassen (Fachpersonal)
  • Geometrie und Genauigkeit prüfen (Messuhr, Prüfdorn, Laser)

Die Abstände hängen von Einsatz und Schichtbetrieb ab: Bei Mehrschichtbetrieb oder viel Graugussstaub entsprechend öfter.

Kühlschmierstoff (Emulsion) richtig pflegen

ThemaRichtwert / Hinweis
Konzentrationmeist 5 bis 8 %, mit dem Refraktometer messen (Ablesewert × Faktor des Herstellers)
pH-Wertca. 8,5 bis 9,5. Sinkt er, beginnen Bakterien zu wachsen: Geruch, Hautprobleme, Rost
AnsetzenImmer das Konzentrat ins Wasser geben, nie umgekehrt: sonst gibt es Klumpen
NachfüllenNicht nur Wasser nachfüllen (Wasser verdunstet, Konzentrat bleibt): mit einer dünnen Mischung von ca. 2 bis 3 % nachfüllen
FremdölAufschwimmendes Hydraulik- und Gleitbahnöl regelmässig abskimmen
HautschutzHandschuhe oder Hautschutzcreme verwenden, Hände nach der Arbeit waschen und pflegen

CNC-Steuerung: Daten sichern

WasHinweis
DatensicherungProgramme, Parameter, Werkzeugdaten und Nullpunkte regelmässig auf einen USB-Stick oder PC sichern, mit Datum beschriften
PufferbatterieHält die Daten bei ausgeschalteter Steuerung. Wechsel nach Herstellerangabe – bei vielen Steuerungen bei eingeschalteter Steuerung, sonst gehen Daten verloren
Vor jeder ReparaturZuerst sichern, dann arbeiten

Wartungsprotokoll

Jede Wartung kurz aufschreiben: Datum, Betriebsstunden, was gemacht wurde, was aufgefallen ist, Name. Mit den Werten (z. B. Umkehrspiel, Spannkraft) erkennt man frühzeitig, wenn sich etwas verschlechtert.

Häufige Ursachen für Ausfälle

UrsacheFolgeVorbeugen
Zentralschmierung leer oder verstopftFressen an Führungen und SpindelnÖlstand täglich prüfen, Leitungen und Verteiler kontrollieren
Defekte AbstreiferSpäne in Führungen und KugelgewindetriebenAbstreifer prüfen und jährlich erneuern
Verschmutzter KühlschmierstoffRost, Geruch, Hautprobleme, schlechte OberflächeKonzentration und pH messen, Tank reinigen
Verstopfte LüfterfilterÜberhitzung von Antrieben und SteuerungFilter regelmässig wechseln
Lockere RiemenRutschen, Leistungsverlust, RatterspurenSpannung prüfen
Feuchte DruckluftRost und Ausfall von VentilenKondensat ablassen, Trockner warten

Weitere Informationen: Kapitel Öle und Schmierstoffe, Wälzlager, Kugelgewindetrieb, Hydraulik und Pneumatik.

Hinweis: Diese Daten wurden aus alten Unterlagen neu erstellt. Sollten beim Übertragen Fehler entstanden sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@wiap-ag.ch. Vielen Dank!

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Schlusswort

Internationale Projekte

In den Jahren 2007 bis 2015 war WIAP an verschiedenen internationalen Projekten beteiligt. Dazu gehörten unter anderem ein grosses Industrieprojekt in Afrika sowie ein umfangreiches Ausbildungsprojekt in Vietnam.

Diese Projekte führten zu einer starken internationalen Ausrichtung des Unternehmens. Gleichzeitig zeichnete sich mit dem Eintritt der zweiten Generation eine neue Ausrichtung ab: Die Aktivitäten sollten wieder stärker auf die Schweiz, den eigenen Maschinenbau und die Entwicklung eigener technischer Lösungen konzentriert werden.

Die Inhalte dieses Monteurhandbuchs beruhen auf eigens erstellten Ausbildungsunterlagen. Sie wurden benötigt, um im Ausland Lehrer und Lernende auszubilden. Das war eine spannende Zeit, in der auch wir enorm viel lernen durften.

WIAP AG, Dulliken

▲ zum Inhaltsverzeichnis

Fragen und Ergänzungen

Das Handbuch wird laufend erweitert. Haben Sie einen Fehler gefunden oder fehlt Ihnen eine Tabelle? Schreiben Sie uns.

E-Mail an info@wiap-ag.ch

Alle Angaben ohne Gewähr. Massgebend sind die jeweils gültigen Normen und die Angaben der Hersteller. Zusammengestellt von der WIAP AG, Dulliken.